Heute weitgehend vergessen, galt sie einst als progressive Künstlervereinigung: die Künstlergruppe »Scholle«. In der Aufbruchsstimmung des neuen Jahrhunderts, in der Zeit als »München leuchtete«, wie Thomas Mann in seiner Erzählung »Gladius Dei« beschreibt, bestimmte sie die Kunstszene in München von 1899 bis 1911 wesentlich mit. Die ehemaligen Studenten der Münchner Akademie aus dem Dunstkreis der »Jugend«, der stilprägenden, epochemachenden illustrierten Wochenschrift, finden sich zusammen, um bessere Ausstellungsbedingungen zu erhalten. Kein künstlerisches Programm engt die Gruppe ein. Ihre zwischen Impressionismus und Jugendstil changierende Formensprache widmet sich symbolistischen Fantasien ebenso wie den großen Gattungen Porträt, Akt, Stillleben und Landschaft, die sie in stimmungsvollen Gemälden festhalten.