Manche Kleidungsstücke kramt man hervor und ist entsetzt: Wie konnte ich nur? Besonders die Sachen, die man sich aus einer bestimmten Laune gekauft hat: der gestreifte Poncho aus Peru, die Batikhose vom Festival, der schwarz-goldene Bademantel aus dem „Caesars Palace“ in Las Vegas – sie alle zeugen von unserem Verlangen, einen besonderen Augenblick festzuhalten, der sich im Alltag schnell verflüchtigt. Der Mut zu modischen Experimenten wird selten belohnt und in der Regel mit verwunderten Blicken der Freunde bestraft. Enttäuscht muss man feststellen, dass niemand die Elvis-Brille mit den angeklebten Koteletten vom Londoner Flohmarkt witzig findet. Ein anderer Grund, warum einem immer wieder Fehlkäufe passieren: Man steht morgens auf und langweilt sich plötzlich in seinem grauen Sweatshirt – und sucht nach neuen modischen Herausforderungen. Man kauft sich ein Paar türkisfarbene Leggins, weil hässlich auch schön und vor allem cool bedeuten kann. Das lehren einen schließlich Topmodels wie Agyness Deyn und Modeblogs, in denen japanische Trendsetter Ballonröcke und Strickpullover mit Bambi vorn drauf tragen. Doch zwischen cool und „geht gar nicht“ liegt nur ein schmaler Grat. Lässt man die eigenen Proportionen außer Acht oder kombiniert ausgefallene Stücke falsch, ähnelt man eher einer Presswurst aus dem Rügenwald als einem Hipster aus Brooklyn. Knapp daneben ist eben auch vorbei.
Aileen Tiedemann
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Philip Sawkins, 34, Fotograf: „Als ich die Mütze zum ersten Mal sah, musste ich lachen.“
„Die Skimaske kaufte ich mir 2003 in dem angesagten Designshop The Loft in Osaka. Ich bekam gute Laune bei dem Gedanken, wie ich mit der bunten Mütze im Winter durch die Stadt radeln würde. Eine rebellische Idee, die ich allerdings nie in die Tat umgesetzt habe.“



Marcel Abraham, 27, Projektmanager: „Spontankäufe lohnen sich nicht. Diese total verschnittene Jacke ist der beste Beweis dafür“
„Wenn ich diese Jacke trage, lachen meine Freunde über mich. Dabei war meine Intention eine ganz andere, als ich mir diesen Blouson kurz entschlossen in einem Secondhand-Laden kaufte. Ich wollte darin lässig wie ein Collegestudent wirken, stattdessen sah ich aus wie eine Wurst. Die Jacke ist total verschnitten, und auf der Vorderseite verdeckt ein kleines Blümchen ein Brandloch. Verdammt unsexy.“



Jennifer van Liere-Dreyer, 38, Englischlehrerin: „Normalerweise mag ich keine lauten Farben. Dieses Top trug ich im Urlaub und danach nie wieder“
„Zu meiner Verteidigung: Ich war in Urlaubsstimmung und hatte braun gebrannte Haut, als ich dieses Oberteil auf einem Wochenmarkt in Spanien für nur zehn Euro kaufte. Dort trugen viele Frauen solche Tops, also schlug auch ich zu. Wieder zu Hause, starrten mich in dem Teil alle an. Hier kombiniert man ja höchstens Rosa mit Grau. Der Lebensstil der Stadt passt einfach nicht zu diesem Top.“



Laura Dunkelmann, 24, Redakteurin: „Dieses Oberteil kaufte ich mir nachts in einem Club auf Ibiza. Schon am nächsten Morgen bereute ich es“
„So wie man im Urlaub Muschelketten kauft, bin auch ich zu diesem Top gekommen. Mitten in der Nacht habe ich es mir im Shop des Nachtclubs Space auf Ibiza gekauft. Hier werden müde Raver abgezockt, die nicht mehr wissen, was sie tun. Ich trage normalerweise kein Pink und mag große Schriftzüge gar nicht. Angezogen habe ich das Oberteil nie, aber als Erinnerung an Ibiza liegt es noch immer in meinem Schrank.“

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Eva Bolhoefer, 25, Studentin: „In Amsterdam dachte ich, die Jacke sei cool – doch in Wirklichkeit sieht sie aus wie ein unförmiger Sack“
„Vergangenes Jahr habe ich drei Monate in Amsterdam verbracht. Kurz vor meiner Abreise wollte ich mir unbedingt noch etwas Individuelles kaufen, weshalb ich mir in einem Secondhand-Laden dieses Ungetüm von Strickjacke zugelegt habe. Als ich zurück in meine WG kam, haben mich alle ausgelacht, und ich musste mir eingestehen, dass die Jacke doch nicht so cool ist, wie ich dachte. Zudem kratzt sie fürchterlich.“



Oliver Willmer, 29, Journalist: „Am Strand von Bali und in Los Angeles habe ich modisch voll danebengegriffen“
„Den gefälschten Gucci-Gürtel habe ich mir auf Bali am Strand gekauft und nie wieder getragen. Er passt überhaupt nicht zu mir, denn ich bin eigentlich ein Jeans-und-Kapuzenpulli-Typ. Auch das geringelte Schweißband erstand ich umnebelt von Urlaubsstimmung in L.A., wo die Leute optisch ja gern etwas dicker auftragen. Das ist nichts für mich – genauso wenig wie der Anglerhut, der mir einfach überhaupt nicht steht.“



Magdalena Schmidt, 22, Studentin: „Statt guter Laune bekam ich von dieser Strickjacke einen blassen Teint“
„An meinem 18. Geburtstag humpelte ich nach einer Knie-OP auf Krücken durch Wien, als ich diese Strickjacke in einem Schaufenster hängen sah. Ein Lichtblick an diesem verregneten Tag. Meine Mutter kaufte mir die Jacke, um mich aufzumuntern, aber es hat nicht wirklich funktioniert. Die Jacke fusselt und hängt schlapp an mir herunter. Ich fühle mich darin wie Bibo aus der ,Sesamstraße‘.“



Jan Fleck, 31, Wissenschaftlicher Mitarbeiter: „Ich wollte so sein wie André Agassi, kaufte aber aus Versehen das Shirt von Carl-Uwe Steeb“
„Mitte der Achtziger habe ich mir dieses Shirt von Nike für den Tennisplatz zugelegt. Ich wollte so cool sein wie André Agassi, doch leider habe ich mir aus Versehen das Carl-Uwe-Steeb-Shirt gekauft. Der Mix aus Neongrün und Flieder schmerzt mich heute in den Augen, aber der Fehlkauf half mir auch: Beim Tennis musste ich Höchstleistung zeigen, weil mich in dem Shirt keiner ernst nahm.“

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Judith alias T-Seven, 32, Sängerin und Kontakterin: „Dieses Ungetüm ist wirklich unterste Schublade. Und da liegt es auch.“
Was haben wir denn da Schönes?
Eine rot-gestreifte Kunstfell- Tasche, die ich in Paris gekauft habe, als wir dort mit Mr. President auf Tour waren.
Was hat Sie zum Kauf verleitet?
Na ja, wenn man unterwegs ist und ein bisschen shoppen geht, dann sehen die Sachen oft sensationell und einmalig aus. Und zu Hause denkt man dann: Oh Gott, was habe ich da bloß gekauft? Einmalig ist die Tasche allerdings.
Und nun tragen Sie sie nicht?
Ich stehe zwar auf schräge Klamotten, aber dieses Teil geht gar nicht! Auf einer Motto-Party hatte ich sie dabei, und alle waren begeistert. Aber im normalen Leben? No way! Wenn die 70er wieder angesagt sind, dann hole ich sie vielleicht hervor. Dann sieht sie nämlich so scheiße aus, dass sie schon wieder geil ist!



Katja Gorecki, 41, Stylistin und Stilberaterin: „Den kannst du gut zum Fasching tragen.“
Was ist das denn?
Das ist ein Hippie-Sommerhut aus Kord mit Blümchen. Der hat mal viel Geld gekostet, ist von Dolce&Gabbana.
Zu welchem Anlass wurde er gekauft?
Ich sah ihn und wusste, den muss ich haben. Der Hut ist mir viel zu groß und sieht unmöglich aus. Das Schlimme an Fehlkäufen ist ja, dass sie immer sehr teuer sind. Das Teil wollte auch keiner in meinem Bekanntenkreis haben. Er ist einfach zu speziell. Mein Freund meinte nur trocken: „Den kannst ja zum Fasching anziehen“, aber selbst dafür hat sich noch keine Gelegenheit gefunden. Der Hut wartet auf seine Chance!

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Wiebke Hebecker, 30, Redakteurin: „These boots are made for walking? Von wegen, das sind reine Sitzstiefel!“
Die sehen ja schick aus!
Diese Stiefel habe ich auf duoboots.de geordert, weil ich in Größe 42 nur schwer schöne Schuhe bekomme. Das war eine Maßanfertigung und entsprechend teuer.
Und warum tragen Sie sie nicht?
Das sind Sitzstiefel und damit überflüssig! Ich kann darauf maximal eine halbe Stunde laufen, dann tun mir die Füße höllisch weh. Aber zum Weggeben sind sie mir einfach zu schön.



Gordon Meister, 40, Personalmanager: „Ich wollte meiner positiven Stimmung Ausdruck verleihen – und sah dann nur aus wie ein Clown.“
Was ist das denn?
Ein Hawaiihemd im Knitterlook. Ich habe es vor drei Jahren in Berlin gekauft. Es war Frühling, ich war gut drauf. Ich wollte etwas wagen und meine Stimmung ausdrücken. In meinem Schrank hängen ausschließlich die Farben Schwarz und Grau.
Warum haben Sie es nicht getragen?
Ich sah darin aus wie ein Clown! Meine Freunde waren irritiert und ich jedes Mal erschrocken, wenn ich in den Spiegel geschaut habe. So ein Gute-Laune-Hemd passt nicht zu mir. Ich bin eben eher der düstere Typ, so will ich mich auch kleiden.



Su Celensü 36, Freie Autorin: „Mit dem Teil wollte ich barfuß über den Strand laufen und Mojitos schlürfen. Das Gefühl ließ sich leider überhaupt nicht in die norddeutsche Tiefebene transportieren.“
Was ist denn das?
Ein rückenfreies Träger-Top mit Wickelhose. Vor einigen Jahren habe ich den Zweiteiler im Urlaub auf einem hübschen kleinen Markt auf Ibiza ergattert. Alles war so easy, ich lief den ganzen tag barfuß und hörte auf, mein Haar zu kämmen. Am liebsten wär ich für immer dort geblieben, aber der Job rief.
Warum haben Sie das Teil nie wieder getragen?
Gleich, als ich es im trüben Bremen aus dem Koffer holte, wusste ich: Ganz klar, ein Fehlkauf. Ich habe einfach nicht bedacht, dass das Ibiza-Lebensgefühl nachlässt, wenn man nicht mehr dort ist. In Bremen war ich wieder die Alte und kehrte zu meinem schlichten Look zurück, passend zum Alltag. Aber den Traum vom Hippie-Dasein geb ich nicht auf, und irgendwann darf auch das Outfit ganz bestimmt wieder aus dem Koffer rauskommen.