Frau Taschen, was muss ein moderner Buchladen bieten? Bei uns ist wichtig, dass die Bücher auf Tischen liegen und man sie sich angucken kann. Sonst kann man sie ja auch im Internet bestellen. Der Buchladen muss dazu verführen, etwas zu entdecken, das man noch nicht kennt.

Muss ein Buchladen auch chic sein? Bücher sind unter anderem das schönste Kulturgut, das es gibt. Wir veröffentlichen Bücher über Design und Kunst – das muss in irgendeiner Form reflektiert werden.

Es heißt ja „Never judge a book by its cover“. Taschen war einer der ersten Verlage, der zeitgemäße Themen und Layouts entwickelt hat. Ich glaube an visuelle Kommunikation. Es ist eine globale Sprache. Wir arbeiten weltweit und haben das Phänomen der „Coffeetable-Books“ sicherlich mit begründet. Bücher sind Mode geworden. Die Verpackung, der schöne Umschlag sind jetzt extrem wichtig. Es ist wie bei den Parfümflaschen, mit denen man das Badezimmer oder die Kommode dekoriert. Die Flasche und die Verpackung sind viel wichtiger als der Duft an sich. Wenn etwas schön verpackt ist, will man es haben.

Wie gehen Sie zu Hause mit Büchern um? In meiner Wohnung habe ich die Bücher nicht alphabetisch, sondern nach Farben sortiert. Ich habe ein fotografisches Gedächtnis. Wenn mir ein Buch am Herzen liegt, weiß ich, ob es türkis oder rot ist.

Wie viel Überzeugsarbeit ist nötig, damit Carine Roitfeld, die Chefredakteurin der französischen „Vogue“, oder Schauspielerin Julianne Moore der ganzen Welt ihr Schlafzimmer zeigen? Als ich Carine Roitfeld eine E-Mail schrieb, habe ich fest mit einer Absage gerechnet. Dann kam die coolste Reaktion, die ich je bekommen habe. Gleich am nächsten Tag schrieb sie zurück: „Why not?“ Mehr nicht. Julianne Moore hat eine fantastische Möbel- und Design-Sammlung. Ihr Schwager ist ihr Architekt – er hat sich sehr über das Buch gefreut.

Letzte Frage: Was wollen die Leute lesen? Was meine „Great Escapes“-Bücher betrifft: Damit verkaufe ich Träume. Man soll eine Edith-Piaf-CD einlegen und sich mit dem Buch und einem Glas Wein aufs Sofa legen. Man vergisst den Alltag und ist im Kopf auf Reisen. Das ist das schönste Kompliment für meine Arbeit.

Interview: Alexa von Heyden