Feine Risse an Bauch, Brust, Hüfte oder Po – viele Frauen und manche Männer haben Dehnungsstreifen. Sie entstehen, wenn die Haut überdehnt wird wie bei schnellem Wachstum oder rascher Gewichtszunahme und -abnahme. Auch durch Schwangerschaft oder Medikamente können die pergamentartigen Streifen entstehen. Wie Narben können sie nie ganz entfernt werden. Mehrere Methoden können sie zumindest mindern.

Bei der von einem brasilianischen Chirurgen entwickelten „Rio-Methode“ wird mit einer feinen Kanüle entlang der Dehnungsstreifen in die lokal betäubte Haut gestochen. Beim Herausziehen der Nadel werden der Haut absichtlich Mikroverletzungen zugefügt. Diese sorgen für eine Bindegewebsneubildung. Es entstehen sehr kleine Narben, die sich allmählich zusammenziehen und den darüber liegenden Dehnungsstreifen schmaler werden lassen. Die Haut wird insgesamt fester und dicker. „Erfolge lassen sich besonders im Bereich der Brust und der Oberschenkel erzielen“, sagt Dr. Stefan Duve, der die Methode seit zehn Jahren anwendet. Nach der Behandlung muss für sieben Tage ein Tape- oder Kompressionsverband getragen werden, danach für weitere zwei bis vier Wochen eine Kompression. Zwei bis drei Sitzungen im Abstand von drei bis sechs Monaten sind vorgesehen. Für noch bessere Effekte kann die Behandlung mit einem TCA-Peeling kombiniert werden.

Wenn die Dehnungs- oder Schwangerschaftsstreifen nicht älter als 18 Monate – also noch rötlich – sind, kann auch die Mesotherapie helfen. Auch die Wärmetherapie kann zur Gewebestraffung bei Dehnungsstreifen eingesetzt werden. Die sogenannte Thermage-Technik arbeitet mit Radiowellen, die mit „Schüssen“ in die Haut geleitet werden und in den betreffenden Arealen Wärme entfalten. Dadurch schrumpft die Haut, die Dehnungsstreifen werden schmaler. Es sind mehrere Sitzungen erforderlich. Nach der Behandlung ist die Haut meist geschwollen und leicht gerötet. Bei falscher Anwendung schmerzt der Eingriff, und es können sich Brandblasen bilden.

Eine weitere Möglichkeit, Dehnungsstreifen fast vollständig verschwinden zu lassen, ist das so genannte „Blue Peel“. Für dieses Peeling wird fünfzehnprozentige Trichloressigsäure verwendet, der blauer Farbstoff beigemengt ist. Die Farbe dient als Indikator dafür, wie tief und gleichmäßig das Präparat in die Haut eingedrungen ist. Durch die Säure bilden sich nach vorübergehenden Rötungen neue Kollagenfasern. Unangenehmer Nebeneffekt: Die behandelte Haut bleibt für circa drei Tage bläulich getönt. Bei falscher Anwendung können Pigmentstörungen und Verätzungen auftreten. Besonders die Haut am Hals, Dekolleté und Bauch sowie an den Armen und Beinen neigt stärker zur Narbenbildung als das vermeintlich empfindlichere Gesicht.
Kathrin Kunterding