Während im Original die Zwillinge Brenda und Brandon aus dem frostigen Minnesota ins sonnige Beverly Hills ziehen, ist es in „90210“ (samstags, 17:00 Uhr, PRO7) das Geschwisterpaar Annie und Dixon, die ihr eher ländliches Leben in Kansas gegen die glitzernde Scheinwelt Los Angeles‘ eintauschen. Schnell stellen sie fest, dass die Rolex-Uhren hier anders ticken. Shopping, Partys, Drogen und Blowjobs vor der Schule sind an der Tagesordnung. Intrigen, Neid und Hass runden ihren neuen Schulalltag an der West Beverly Hills High School ab. Moral? Fehlanzeige.

Video-Tipp: „90210“-Trailer (Englisch)

Trotzdem darf natürlich die große Liebe nicht fehlen. Anders als beim ewigen Dreiecks-Hin-und-Her zwischen Kelly, Dylan und Brandon in „Beverly Hills, 90210“, scheint man mit dem Gefühlschaos im Spin-off allerdings noch mehr die jüngeren Zuschauer ansprechen zu wollen. Die Zielgruppe liegt hier schätzungsweise zwischen 12 und 16 Jahren – „Hannah Montana“ lässt grüßen. Irgendwie ist auch die charmante Art und Weise, wie im Original das dekadente Leben der reichen Teens präsentiert wurde, abhanden gekommen. In „90210“ ist alles einfach nur protzig und unsympatisch. Vielleicht liegt es aber auch nur an den frühen 90er-Style des Originals, der retrospektiv betrachtet für einen charmanten Trashfaktor sorgt.

Intro-Sequenz der Pilotfolge von „Beverly Hills, 90210“ aus dem Jahr 1990 (Englisch)

Einzig jene Szene der „90210“-Pilotfolge, in der sich „Peach Pit“-Besitzer Nat wild hantierend vor einer super-modernen Kaffeemaschine fragt, was bloß aus dem normalen Filter-Kaffee geworden ist, sorgt für ein Schmunzeln. Neben Nat gibt es eine Reihe weiterer bekannter Gesichter zu sehen. So ist beispielsweise Jennie Garth wieder als Kelly mit von der Partie, die – wie uncool – mittlerweile als Vertrauenslehrerin arbeitet. Auch Shannen Doherty (Brenda), Tori Spelling (Donna) und Jason Priestley (Brandon) lassen sich im Laufe der Serie blicken. Für Fans des Originals ist das sicherlich ein netter Anreiz, mal in „90210“ reinzuschauen. Ansonsten muss man schon ein Fan vorhersehbarer Standard-Teenie-Serien sein, um an dem Spin-off wirklich Freude zu haben.
André Depcke