Henning Koch, 32, steht an seinem neuen Arbeitsplatz: einem etwa fünfzehn Quadratmeter großen Schuppen auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Vor ihm hängen alte Fahrräder an der Wand, hinter ihm dudelt ein Radio zur Unterhaltung, denn obwohl er gut zu tun hat, ist er meistens allein. Koch hat sich selbstständig gemacht, er handelt mit gebrauchten Fahrrädern und den dazugehörigen Ersatzteilen. Seine junge Firma ist ein Einmannbetrieb und heißt wie der Ort, an dem er arbeitet: Fahrradschuppen.

Koch sagt: „Ich habe locker eine 65-Stunden-Woche.“ Stört ihn die viele Arbeit? Er schüttelt den Kopf. „Natürlich nicht. Wenn man nicht hart arbeiten will, soll man nicht gründen.“ Koch hat mehrere Ausbildungen abgebrochen, mal hier und mal da gejobbt, zuletzt in einer Gummifabrik und dann in einem Call-Center, er sah, dass er so nicht weitermachen konnte. „Ich wollte endlich mal etwas machen, das mir Spaß macht.“ Geholfen hat ihm die Agentur für Arbeit. Deren Gründerzentrum „Garage“, das so heißt, weil Garagen oft Keimzellen für große Firmen waren und ein Image haben von Kreativität und Erfindungsreichtum, bereitet Arbeitslose auf die Selbstständigkeit vor.

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Zukünftige Gründer bekommen dort die Feinheiten von Buchführung, Kundenakquise, Versicherungspflicht und Marktanalyse beigebracht. Sie erfahren, wie man einen Businessplan schreibt, Kredite bekommt, Menschen von seiner Idee begeistert. Die „Garage“ gibt es deutschlandweit. „Die Leute in der ,Garage'“, sagt Koch, „haben eine Vision.“ Er geht vor den Schuppen. „Sie helfen nicht nur fachlich, sondern auch menschlich.“ Geholfen habe ihm, dass man dort Netzwerke baue, dass alle Gründer nach wie vor in Kontakt stünden. Seine Idee wurde als förderungswürdig eingestuft, er bekam einen zinslosen Kredit der Agentur für Arbeit Hamburg, um den „Fahrradschuppen“ zu eröffnen. Er ist nicht der einzige, die Arbeitsagentur nutzt diese Kreditvergabe, um jungen Existenzgründern in die Selbstständigkeit zu helfen.

Allein im Februar hat die Agentur in Hamburg 600 Gründer gefördert. Kann Henning Koch jetzt schon, zwei Monate nach der Eröffnung, von seinem Geschäft leben? „Wenn es so bleibt.“ Er nickt anerkennend. Am ersten Tag habe er gedacht, das klappe nie, aber ja, es funktioniere sehr gut. „Selbstständige können besser auf die Bedürfnisse des Markts und der Kunden reagieren“, sagt Koch. Er grinst. Es läuft.

Erst kommt der Schock, dann muss es weitergehen. Stephan Vellrath (Kameramann), Ulrich Moorkamp (Eventmanager), Jessica Clavie (Schneiderin), Anne Postrach (Journalistin) und Sina Draeger (PR-Beraterin) erzählen, wie sie mit dem Jobverlust umgehen und warum Erwerbslosigkeit neue Energien freisetzt.