Im Nordwesten Mauretaniens versinkt ein Weltkulturerbe langsam im Sand der sich ausdehnenden Sahara. Chinguetti, 1996 in die Unesco-Welterbe-Liste aufgenommen, wurde im 13. Jahrhundert als Handelszentrum gegründet, hier trafen mehrere Kamelrouten Richtung Mittelmeer zusammen. Es ist seither unverändert erhalten und einer der wichtigsten Plätze für die Geschichte des Islams, da es über Jahrhunderte Sammelpunkt für alle Mekka-Pilger aus dem Maghreb war und dadurch selbst zu einem religiösen und wissenschaftlichen Zentrum wurde. Recht und Medizin wurden hier gelehrt, weswegen Chinguetti eine der größten mittelalterlichen Bibliotheken Afrikas besitzt. Die schwer erreichbare Stadt, und vor allem ihre Freitagsmoschee, ist eine der heiligen Stätten des Islams. In einer von der Unesco finanzierten Aktion wurde sie 2003 zwar vom Sand befreit – dreieinhalb Meter wurden abgetragen. Fünf Jahre später hatte der Wind aber die Hälfte davon schon wieder zurückgeweht.