Reizüberflutung und Medientrara waren der Trennungsgrund für Selig. Um Abstand zu gewinnen, flüchtete Sänger Jan Plewka mit seiner Familie in eine abgelegene Holzhütte nach Schweden. Die Abgeschiedenheit half dem sensiblen Künstler, sich vor den Medien zu schützen. „Schlechte Kritiken haben mich damals zerfressen wie eine Krankheit“, so der 38-Jährige. Die Jahre der Entschleunigung waren für den Hamburger trotzdem keine Jahre der Trägheit. Plewka stellte sich neuen Herausforderungen. Nach der Veröffentlichung seines Soloalbums „Zu Hause, da war ich schon“ spielte er in Kurzfilmen, probierte sich als Papageno in „Die Zauberflöte“ und gründete die Band Tempeau. Seit 2005 singt er Rio Reisers Lieder im Hamburger Schauspielhaus, ehrfürchtig, ohne sich anzubiedern.

Video-Tipp: Making Of zum Album „Und Endlich Unendlich“

„Ich schätze seine Poesie, seine Utopien, seinen Sinn für Gerechtigkeit“, sagt Plewka. Diese Aufgaben haben ihn gefestigt. Er könne nicht mehr so schnell die Bodenhaftung verlieren, sei ruhiger geworden. „Ich gehe nicht mehr so auf die Barrikaden wie als Jugendlicher und lasse mehr durchgehen“, sagt der Sänger. An die Stelle der Angst vor Kritik ist die Angst vor Behäbigkeit getreten. Mit dem neuen Selig-Album „Und endlich unendlich“ bekämpft er diese. Der Song „Die alte Zeit zurück“ warnt davor, nicht zum Stechuhr-Sklaven zu verkommen, sondern sich am Leben der Marionettenspieler zu orientieren. Im Video zur Single „Schau schau“ fahren Selig in einem VW-Bus durch die Länder und leben von der Straßenmusik. „Diese naive Art, die Welt als etwas Besonderes zu sehen, das ist eine schöne Lebensform.“ Aus dem getriebenen Hippie ist ein beseelter Genießer geworden.