„Thank you.“ So endete die kurze E-Mail, mit der Techno-Pionier Laurent Garnier vor kurzem das Aus für sein Label F Communications bekannt gab. Seit Mitte der Neunziger war F Com das Synonym für gute elektronische Musik aus Paris. Platten von St. Germain, Mr. Oizo, Llorca und Garnier verkauften sich hunderttausendfach. Dann wurde das Label von der Krise der Musikindustrie erfasst. Am Schluss saß Eric Morand, Mitbegründer und Manager von F Com, als einziger im früher so lebendigen Label-Büro an der Rue André Messager. Als Garnier 2008 von einem DJ-Auftritt nach Paris zurückkehrte, war die Stimmung gedrückt. „Eric sagte mir: Ich will nicht mehr gegen den Strom schwimmen“, erinnert sich Garnier. Damit war die Entscheidung getroffen. „Er überlegte, ob wir nur noch meine eigenen Produktionen auf F Com herausbringen sollten“, sagt der 43-Jährige.

Die Idee lag nahe, gehört Garnier doch zu den wenigen Electronica-Produzenten, deren Musik auch in Krisenzeiten gekauft wird. Titel wie das 13 Jahre alte „Crispy Bacon“ gelten als Techno-Klassiker. „Back To My Roots“, Garniers jüngste Single, könnte der nächste werden. Doch der einzige F-Com-Künstler zu sein behagte ihm nicht: „Ich bin ein Familienmensch. Ein Label mit nur einem Künstler ist keine Familie.“ Die hat er ja auch schon: Garniers Frau und sein fünfjähriger Sohn, mit denen der Hobbykoch in die Provence gezogen ist. Für düstere technoide Stücke muss er nun Nachtschichten einlegen: Das Wetter dort sei einfach zu heiter.

Das zurückgezogene Leben zwischen Pinienhainen und Lavendelfeldern bekommt ihm offensichtlich: Mit „Tales Of A Kleptomaniac“, seinem fünften (auf dem Label Pias erscheinenden) Album, legt er ein dichtes, ausgereiftes Werk vor. Die Integration von organischem Soul, HipHop und Jazz ist nicht nur ein Hinweis auf die Wurzeln elektronischer Musik, sie macht auch den Albumtitel verständlich: „DJs und Musiker sind Kleptomanen, weil sie sich von Ideen anderer inspirieren lassen. Daraus entwickeln sie eigene Geschichten.“ In diesem Fall eine, die gut ausgeht. Danke.
Alexander Kulick