Ihre Magisterarbeit handelte von Frauen und Selbstbefriedigung. Selbst in der U-Bahn denkt sie an Sex: „Einen Teil meines Gehirns habe ich fest dafür reserviert“, sagt Jennifer Hirte. „Das eigene Begehren ist eine wunderbare Energiequelle. Unglaublich, dass es Frauen geben soll, die das ausblenden.“

Ein gutes Jahr feilte die zweifache Mutter beim Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag an einer erotischen Reihe von Frauen für Frauen – und brach doch mit gängigen Erwartungen. Bei „Anais“ dreht sich nicht alles immer nur um Sex. „Wir verlegen spannende, intelligente, lustvolle Romane mit Heldinnen, für die Sex Teil des Alltags ist“, erklärt die Programmleiterin.

Anna Blumbach zum Beispiel erzählt in „Kurze Nächte“ mit einer Sprache, die an Comics erinnert, vom Balanceakt einer allein erziehenden Mutter zwischen drei Männern, Anna Bunt schreibt in „Subjektiv“ über die Initiationserlebnisse der devoten Anna, und Tanja Steinlechner spielt mit „Wahrheit oder Lüge“. „Meine Figuren enthalten Partikel meines eigenen Lebens“, sagt die Autorin und bezeichnet ihren Roman als „durchaus sehr explizit“.

Der bislang größte Coup gelang der 18-jährigen Rebecca Martin: Ihr Debüt „Frühling und so“ schaffte es im Windschatten von Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ auf die „Spiegel“-Bestsellerliste. Es funktioniert einfach, wenn eine junge, hübsche Frau offen über ihre Sexualität schreibt. Jennifer Hirte differenziert indes sehr genau: „‚Feuchtgebiete‘ ist ein mutiges, tabuloses Buch, aber ich finde es überhaupt nicht sexy. ,Anais‘ hingegen möchte Frauen motivieren, sich mit ihrem eigenen Begehren lustvoll auseinanderzusetzen.“

Klar, dass so was auch das andere Geschlecht interessiert: „Wenn’s um Sex und Erotik geht, muss man für Männer nichts Spezielles machen“, sagt Jennifer Hirte lachend. „Die kaufen das eh, weil sie hoffen, endlich einem großen Geheimnis auf die Spur zu kommen.“