GESCHICHTE:

Punk: Mitte der siebziger Jahre entstand Punk als anarchische Jugendkultur in Großbritannien und den USA. Die Ursprünge des Punkrock gehen mit Velvet Underground und The Stooges sogar bis in die Sechziger zurück.

Neoliberalismus: Mitte des 20. Jahrhunderts entstand der Neoliberalismus als neuartige Denkrichtung des Wirtschaftsliberalismus. Führender Vertreter in Deutschland war der Ökonom Walter Eucken.

BEDEUTUNG:

Punk: Punk ist Anarchie und Nonkonformismus. Die Protesthaltung und offene Ablehnung gesellschaftlicher Normen fassten die Sex Pistols 1977 in dem Song und Slogan „No Future“ zusammen.

Neoliberalismus: Neoliberale fordern: Sozialausgaben beenden, gesellschaftliche Entwicklungen dem Markt unterordnen, Wirtschaftsmonopole verhindern. Slogan: „Der Markt regelt sich selbst.“

EINFLUSS:

Punk: Rebellion ist sexy: Nur zu gerne bedient sich inzwischen auch der letzte Biedermann bei den Insignien des Punk. Der damalige deutsche Fußballnationalspieler Christian Ziege lief bei der WM 2002 sogar mit schwarz-rot-goldener Irokesenfrisur auf den Platz.

Neoliberalismus: Trotz des schlechten Rufs: Ein Großteil der Wirtschaftsordnungen westlicher Industrienationen basiert mittlerweile auf den grundlegenden Prinzipien des Neoliberalismus. Auch die bei uns. Das muss man sich auch erst einmal bewusst machen.

IKONE:

Punk: Sid Vicious. Bürgerlicher Name: John Simon Ritchie. Der Sex- Pistols-Bassist wurde verdächtigt, seine Freundin Nancy Spungen im Heroinrausch erstochen zu haben. Auf der Party anlässlich seiner Freilassung auf Kaution starb er selbst, 21-jährig, an einer Überdosis.

Neoliberalismus: Josef Ackermann. Sagte vor dem Mannesmann-Prozess: „Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.“ Sprach’s und posierte siegesgewiss mit dem Victory-Zeichen vor den Kameras.

Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter.

REGIONALES:

Punk: New York und London sind die ursprünglichen Hochburgen. In Deutschland waren Düsseldorf (Ratinger Hof), Hamburg (Markthalle) und Berlin (SO36) die zentralen Orte der Bewegung.

Neoliberalismus: Lateinamerika galt lange als das Versuchslabor des USNeoliberalismus. Zuletzt hat man sich aber zunehmend emanzipiert.

GEGENENTWURF:

Punk: Punk war die Reaktion auf Hippie-Ideale und deren Optimismus. Der aufrechte Punk gibt sich lieber betont illusionslos.

Neoliberalismus: Neoliberalismus war eine Antwort auf den Wohlfahrtsstaat, der mit der Wirtschaftskrise der Siebziger ins Schlingern geraten war. Als Rezept gegen steigende Staatsverschuldung sollten Sozialleistungen abgeschafft und öffentliche Güter privatisiert werden.

MISSBRAUCH:

Punk: Auch wenn Kommerz und Underground nebeneinander existieren, verhaftet die Szenepolizei gerne und schnell. Nicht jeder Altpunk lässt sich eben heute noch von Billy Talent überzeugen.

Neoliberalismus: Diffamieren leicht gemacht: Deutsche Politiker beschimpfen sich ständig gegenseitig parteiintern und -übergreifend als „neoliberal“ – leider meist im falschen Zusammenhang.

DAS GUTE GEWISSEN:

Punk: Joe Strummer. Die großartige Galionsfigur der Szene starb am 22. Dezember 2002 im Alter von 50 Jahren völlig unerwartet an einem angeborenen Herzfehler. Julien Temples Dokumentarfilm „The Future Is Unwritten“ setzte ihm 2006 ein Denkmal.

Neoliberalismus: Ludwig Erhard. Den Vater des deutschen Wirtschaftswunders benennen Neoliberale immer gerne als Kronzeugen. Was zwar lustig ist, aber natürlich trotz seines Credos „Je freier die Wirtschaft, desto sozialer ist sie auch“ nicht ganz passend.

FAZIT:

Vom fragwürdigen wirtschaftpolitischen Entwurf zum inflationär gebrauchten Schimpfwort: Neoliberalismus ist zum inhaltsleeren Kampfbegriff geschrumpft. Viel Inhalt ist auch vom Punk nicht geblieben, seit er vom Mainstream erst verachtet, dann vereinnahmt wurde. Aber das gilt ja auch für Disco.

Autor: Tim Sohr