Noch ein ehemaliges Supermodel, das singen muss? Allen Vorbehalten angesichts peinlicher musikalischer Absonderungen von Kolleginnen wie Naomi Campbell begegnet die Italienerin mit Wahlheimat Paris mit einem entwaffnendem Lächeln: „Ich liebe es, wenn die Menschen feststellen, dass nicht alles so ist, wie sie sich das vorstellen.“ Recht hat sie! „No Promises“, ihr zweites Album mit akustisch gefärbten „Nouvelle Chansons“, hat Tiefgang und eleganten Charme und Brunis rauchzarte Stimme verzaubert. Vor sechs Jahren tauschte das damalige Model für L’Oreal und Dior Designerfummel und Lippenstift gegen Gitarre und Mikro. Schon ihr Debütalbum „Quelqu’un m’a dit“ begeisterte die Menschen ihrer Wahlheimat: Das Album landete auf Platz eins der französischen Charts. Auf „No Promises“ vertont die 38-Jährige nun Gedichte der Jahrhundertwende von Emily Dickinson bis Dorothy Parker Autorinnen, die neben literarischer Qualität auch ähnliche Biografien voller latenter Melancholie aufweisen. Der ideale Treib- und Schreibstoff für feinsinige Balladen, die Zeit brauchen, um gehört und verstanden zu werden. Mit Blick auf die musikalischen Versuche mancher Kolleginnen sagt Bruni: „Ich glaube nicht an konstruierte Karrieren. Aber sehr wohl daran, dass man sich als Persönlichkeit entwickeln muss.“ Herrlich. Wie ihre Musik.