Ein Bild von einem Krieg
Bomben explodieren, Soldaten sterben,kleine Jungen feuern Granaten. Doch die Blutlachen sind Pinselkleckse, die Granaten Zeichentrick: „Waltz With Bashir“, der erste animierte Dokumentar-Langfilm, nominiert für einen Oscar, bricht mit Sehgewohnheiten und wirkt gerade dadurch beunruhigend. Der israelische Regisseur Ari Folman rekonstruiert in „Waltz With Bashir“ seine Zeit als Soldat im Libanonkrieg 1982, während der Massaker von Sabra und Schatila, bei denen Tausende Palästinenser in Flüchtlingslagern ermordet wurden – unter Mithilfe der israelischen Armee. Folman will sich erinnern, Vergessenes und Verdrängtes zurückholen. Deshalb interviewt er Freunde, Psychotherapeuten und ehemalige Soldaten. Doch reale Bilder fand er zu langweilig. „Krieg ist so surreal, unsere Erinnerung so trickreich“, sagt er, und deshalb ließ er die Interviews animieren, genau wie die Bilder von Kämpfen, Erschießungen, Bomben und Blut: Comicszenen, düster und monochrom, die den Gräueltaten eine furchtbare Poesie verleihen. Bilder des Schrecken, die gerade wegen ihrer märchenhaften Anmutung entsetzen und berühren.
Christina Bednarz
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