Geprahlt und dann auch noch aus zweiter Hand: „Unser Bandname stammt von meinem Cousin“, gesteht Etienne Tron. „Er hatte eine Band, die so hieß. Als sie sich vor ein paar Monaten auflöste und wir gerade einen Namen brauchten, haben wir gefragt, ob wir ihn nehmen können.“ Der aufgetragene Bandname sei ihnen verziehen, schließlich besticht das Debütalbum durch Individualität. Aufgenommen in ihrer Wahlheimat London, paaren der Franzose Tron und der Schwede Johan Karlberg vom DJ-Duo Radioclit auf dem Album bunte Afropop-Sounds und europäische Electro-Einflüsse mit dem mitreißend lebensfrohen Ge-sang des Malawi Esau Mwamwaya. Dazu kommen Gastauftritte musikalisch Gleichgesinnter wie M.I.A. und Ezra Koenig von Vampire Weekend. „König der Löwen“ goes Clubbing – The Very Best legen mit „The Warm Heart Of Africa“ ihre eigene Idee von Weltmusik vor.

Die nahm vor zwei Jahren einen sehr weltlichen Anfang. Tron suchte ein Fahrrad und fand es in Mwamwayas Gebrauchtwarenladen. Der Laden lag nur wenige Meter entfernt von Trons und Karlbergs Studio im Londoner Westend. Man freundete sich an und begann schließlich, gemeinsam Musik zu machen. Mwamwaya tat dabei einfach, was er aus seiner Zeit als Musiker in Malawi gewöhnt war: Er sang in seiner Heimatsprache Chichewa. Vergangenen Dezember stellte die Band ein Mixtape ins Netz, das auf Anhieb mehr als 300000 Mal heruntergeladen wurde. „Anfänglich dachte ich, dass die Sprachbarriere ein Problem sein würde. Aber Johan ermunterte mich immer wieder: Die Leute sind heute so interessiert an Weltmusik, die Sprache spielt keine Rolle“, sagt Mwamwaya. Wenn der Malawi singt, geht vor dem geistigen Auge die Sonne über der Savanne auf – egal, in welcher Sprache er seine lebensfrohen Gesänge transportiert und wovon sie handeln. „Sogar wenn ich einen Song über HIV mache, versuche ich, es mit einer fröhlichen Grundstimmung zu tun“, erklärt Mwamwaya. „Die zentrale Funktion von Musik sollte es sein, die Herzen zu erwärmen.“

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Der Albumtitel „Warm Heart Of Africa“ ist daher wörtlich zu nehmen, einerseits. Andererseits handelt es sich auch hier wieder um einen klaren Fall von Namensklau: „Mit diesem Satz wirbt Malawis Touristenverband“, erzählt Mwamwaya grinsend, der seit neun Jahren in London lebt. Der schwülstige Titel ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen, so wie sich die Band auch sonst keinesfalls überschätzt – dem Namen zum Trotz. „Mir ist klar, dass es afrikanische Künstler schwer hätten, mit einem Afropop-Album so viel Aufmerksamkeit zu bekommen wie wir gerade“, sagt Karlberg. „Wir haben als DJs bereits einen Namen, und unser multiethnischer Background kommt sicher auch gut an. Unsere Musik lebt von der Lebensfreude afrikanischer Klänge. Gleichzeitig trägt sie aber eine eindeutig europäisch-elektronische Handschrift.“ Das (Aller)beste aus zwei Welten.
Nico Cramer