Ein Flugzeug zu betreten ist immer beklemmend. Kein Wunder, denn was soll der „Was tun bei einem Absturz“-Hinweiszettel mehr sein als Realsatire, schließlich sitzt man in einer Röhre aus Verbundstoff in zehntausend Metern Höhe. Gedanken an den korrekten Ausstieg aus der Maschine erübrigen sich da von selbst.

Wir wollen jetzt nicht gemein sein, aber wussten Sie, dass das Flugzeug mitnichten das sicherste Verkehrmittel der Welt ist? Zählt man die Passagierstunden und nicht die Passagierkilometer zwischen den Unfällen, so ist die Zahl der Opfer im Flugzeug dreimal so hoch wie in der Bahn. Sicher, Fliegen hat auch seine schönen Seiten: Je öfter Sie fliegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen attraktiven Menschen im Sitz neben sich treffen – aber desto größer ist auch die Möglichkeit, dass ein rücksichtsloser Rüpel vor Ihnen die Rückenlehne so sehr zurückklappt, dass Sie kaum atmen können. Eng ist es sowieso. Von zu dicken, zu lauten, zu stark schwitzenden Sitznachbarn ganz zu schweigen. Aber davon soll jetzt nicht die Rede sein, es geht um Mittel gegen Flugangst. Natürlich kann man sich vor dem Start gepflegt betrinken. Zwei Flaschen Rotwein, und man könnte vermutlich relativ entspannt ins Meer fallen oder in einem Feuerball verglühen. Man kann auch ein Flugangstseminar zu besuchen. Dort werden Flugzeuge besichtigt, Angstmodelle erklärt, Entspannungstechniken eingeübt. Trotzdem ist das für Flugängstliche nur bedingt tauglich: Ziel des Seminars ist schließlich ein Flug.

Besser ist es, sich seiner Angst nicht zu stellen, warum auch? Man muss ja auch nicht durch den Ärmelkanal schwimmen, nur weil das prinzipiell möglich wäre. Oder Wildschweine mit der Hand fangen, nur weil es unsere Vorfahren so gemacht haben. Allein in Europa gibt es so viel zu sehen, da benötigt kein Mensch ein Flugzeug. Über den Atlantik fahren täglich Schiffe, und ob der Badeaufenthalt auf irgendeiner Insel im Pazifik das Leben wirklich bereichert, sei mal dahingestellt. Flugangst besiegt man am effektivsten so: nicht fliegen.

Text: Philipp Kohlhöfer