Deutsche trifft man wirklich überall. Im vergangenen Jahr haben die Deutschen von allen Nationen der Welt am meisten für Auslandsreisen ausgegeben, laut Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft knapp 52 Milliarden Euro. Und noch eine Zahl: Die Reiseausgaben machen 4,7 Prozent des gesamten privaten Verbrauchs aus. Tatsächlich trifft sich diese Statistik mit der subjektiven Wahrnehmung. Es wimmelt von Deutschen in der Welt. Reiseführer dienen in der Regel ja auch nur dazu, die thailändische Bar am Traumstrand zu finden, die dort als Treffpunkt der Einheimischen gepriesen wird: um doch nur Leute aus Bielefeld und Herne treffen. Was nun? Ein Trick: So tun, als sei man Nordeuropäer, Schwede zum Beispiel. Das geht allerdings nur, bis man auf echte Schweden trifft, die den Unterschied natürlich sofort bemerken. Für diesen Fall: Werfen Sie Ihr mitgebrachtes englisches Fußballtrikot über, und behaupten Sie, Sie seien aus Nottingham. Dass Ihr Englisch grammatisch nicht einwandfrei ist, macht nichts, im Gegenteil, dieser Makel verleiht Ihnen mehr Glaubwürdigkeit. Vermeiden Sie zudem Klischees. Diskutieren Sie nicht über Themen, die selbst im hintersten Winkel der Welt als typisch deutsch wahrgenommen werden: Hitler, Autobahnen und Mercedes.

Apropos Klischees: Da wirklich jeder Mensch auf der Welt das Klischee kennt, Deutsche hätten keinen Humor, lachen Sie selbst bei mittelmäßigen Witzen möglichst laut. Und machen Sie sich im Ausland auf keinen Fall mit anderen Deutschen gemein, sondern verlassen sie fluchtartig den Raum, wenn Landsleute ihn betreten. Rollen Sie mit den Augen, wenn jemand in Ihrer Umgebung auf Deutsch nach der Uhrzeit fragt, und lästern Sie, auf Englisch wohlgemerkt, lautstark über den schlechten Kleidungsstil deutscher Pauschaltouristen. Am besten, Sie bauen vor – mit der Wahl des richtigen Reiseziels. Deutsche sind nicht überall so präsent wie Sand am Meer. Während Spanien nach wie vor das Lieblingsreiseziel der Deutschen ist, führen nur rund sechs Prozent der Reisen in die Ferne. Fahren Sie also nach Nicaragua oder Burkina Faso. Dort sind Sie als deutscher Urlauber sehr allein und können viel fürs Image leisten. Wie heißt es doch so schön: Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind.

Text: Philipp Kohlhöfer