Ich gebe zu, dass ich, bevor ich vor bald einem Jahr Vater wurde, auch Angst hatte. Gar nicht so sehr wegen existenzieller Sachen, es waren eher Coolness-Sorgen. Ich rechnete fest damit, bald abgewetzte Cord-Jacketts zu tragen und die Kekskrümel von der Rückbank des Familien- Volvos zu bürsten. Keine durchgeraveten Nächte mehr, keine tollen Reisen mit meiner Frau oder verantwortungsloses Rumgammeln am Sonntagnachmittag. Nur noch Kekskrümel im Volvo. Aber Julius kam auf die Welt – und irgendwie ist alles anders. Das Leben mit Kind ist eine Bewusstseinserweiterung, die einem Clubs, Reisen und Rumgammeln nicht bieten können. Allein für die Erfahrung der Liebe zu meinem Kind, dieses unbeschreiblich-fundamentale Gefühl, wechsle ich gern nachts Durchfallwindeln oder trage ihn spazieren, wenn alle das EM-Finale gucken. Und es ist okay und cool. Mir reicht Julius‘ beinahe obszön lautes Lachen. Dann weiß ich, wo ungefähr sich gerade der Mittelpunkt meines Lebens durch die Wohnung schiebt. Aber man braucht natürlich die richtige Frau dafür. Da, das sei dazugesagt, habe ich ausgesprochenes Glück.