Vorhang auf, Manege frei: Willkommen im Zirkus Nutini! Man sieht Paolo förmlich vor sich. Mit T-Shirt, offenem Hemd und lässigem Hut begrüßt er sein Publikum, tanzt barfuß auf der Bühne und verzaubert das Zirkuszelt in eine fröhliche Mischung aus Sommerfest und Hippieparty. Ja, so kann man ihn sich wirklich gut vorstellen, während man den Songs auf dem neuen Album „Sunny Side Up“ lauscht. Vorbei die Zeit, in der der sympathische Schotte uns dank „Last Request“ oder „Rewind“ mit Melancholie und Schwermut weinend um den Verstand gesungen hat. Die Traurigkeit ist passé, Auf Wiedersehen Herzschmerz, der Wind kommt jetzt aus Süden. Und zwar so richtig.

Die zwölf neuen Stücke wehen wohligwarmen Südstaatenfolk zu uns. Gespickt mit Ska, Blues, Country, Jazz und Jive swingt Nutini durch sein Programm, vollbringt mit Saxophon, Mundharmonika und keltischen Flöten musikalische Kunststückchen und wirft seine gute Laune wie Bonbons dem beseelten Publikum entgegen: „Just give me some candy, before I go“. So unbeschwert er durch die Genres tanzt, so überraschend vielseitig klingt seine Stimme: mal rauchig-kratzig, mal beschwingt, dann wieder ganz sanft. Man könnte meinen, er würde seit Jahren mit seiner Gitarre durch Kneipen tingeln, als hätte er nie etwas anders getan. Stattdessen überrascht der erst 22-Jährige mit einer jungenhaft-lebendigen Lässigkeit, die so anziehend wie ansteckend ist. Man möchte am liebsten selbst zur Gitarre greifen und die Zuschauer an die Hand nehmen. Mit nach draußen, in die Sonne, auf eine große Wiese, um in die laue Nacht zu tanzen. Applaus!
Anja Greszik

Video-Tipp: „Candy“ von Paolo Nutini