1971 eröffnete das Traumland aller Anarchisten: das Aussteiger-Biotop Christiania in Kopenhagen. Damals besetzten Hippies und Künstler Häuser eines ehemaligen Marinestützpunktes und starteten ein soziales Experiment, an dem sich bald auch Drogenabhängige und Kriminelle beteiligten. Bislang wurde die Hippie-Republik vom dänischen Staat geduldet, doch jetzt scheint es vorbei zu sein mit der Weltoffenheit in Dänemark. Am 29. Mai dieses Jahres beschied ein Gericht die Räumung des autonomen Bezirks und übergab das Gelände zurück an den Staat.Theoretisch dürfte jetzt abgerissen werden. Doch bislang geht in Christiania, der drittgrößten Touristenattraktion des Landes, alles seinen gewohnten Gang: In ihren Vorgärten bauen die Bewohner ihr eigenes Gemüse an, auf der Straße wird wie immer um den Preis für Haschisch gefeilscht. Doch der Schein trügt. Der antikapitalistische Mikrostaat befindet sich im Belagerungszustand und könnte schon bald zum Cappuccino- Viertel verkommen.