Sermin ist eine bildhübsche, junge Frau. Schlanke Figur, dichte schwarze Mähne und ebenmäßige Gesichtszüge. Aber die 22-Jährige mag sich trotzdem nicht. Sie ist unglücklich über ihre Körperbehaarung, die sich teilweise auch im Gesicht, am Bauch und am Rücken zeigt. Sermin Hüftjeans und kurzes Top trägt, ist der dunkle Flaum am unteren Bauch und Rücken sichtbar.

Die Jurastudentin hat fast alles versucht: Rasieren, Bleichen, Zupfen. Sie ist genervt von den Folgen der lästigen Prozeduren wie Rötungen, Stoppel und Pickel. Und erst recht von den Blicken der anderen, wenn sie die Haare mal sprießen lässt. „Meine Oma hat einen Damenbart und borstige Haare am Kinn. So werde ich auch mal aussehen, wenn ich vorher nichts dagegen tue“, sagt die junge Frau und plant eine dauerhafte Epilation. Kosten: ab 80 Euro pro Sitzung für die Oberlippe, ab 100 Euro für den Bauch, mehrere 1000 Euro für die Ganzkörperbehandlung.

Für einige Frauen und Männer ist Überbehaarung nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine psychische Belastung. Übermäßiger Haarwuchs ist meistens genetisch bedingt, kann aber auch krankhafte Ursachen haben wie eine hormonelle Störung oder die Folge von Medikamenten wie Kortison sein.

Sermin geht in einigen Tagen zu ihrem ersten Beratungsgespräch. Ihren Strandurlaub hat sie wegen der mehrmonatigen Behandlungszeit auf das nächste Jahr verschoben. Zum ersten Mal wird sie sorglos am Strand liegen können – ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass dunkle Härchen von ihrer Bikinifigur ablenken könnten.
Kathrin Kunterding