Fünf Gründe dafür

1. „MTV erfindet sich ständig neu“, sagt sein Besitzer, der Medienkonzern Viacom. Es wird in 162 Ländern verbreitet und erreicht fast 700 Millionen Haushalte. Man ist also nicht allein.

2. MTV hat Bill Clinton ins Amt geholfen: 1992 sammelte der Sender für den damaligen Gouverneur aus Arkansas zwanzig Millionen registrierte Wähler.

3. Viva rettete die deutsche Musikkultur. Er setzte von Anfang an auf ein deutschsprachiges Sendekonzept, gab deutschsprachiger Musik ein Forum und damit einen Popularitätsschub. Schon der Name war selbstbewusst, schließlich steht Viva für „Videoverwertungsanstalt“.

4. „Celebrity Deathmatch“ und „Jackass“ liefen schließlich nur auf MTV. Welch grandiose Vergangenheit.

5. Die Popkultur wäre ohne Musikfernsehen ärmer: Den Satz „I want my MTV“ kennt jeder. MTV begründete „Unplugged“, Viva immerhin die Karriere von Stefan Raab.

Fünf Gründe dagegen

1. Erwischt man noch mal ein Musikvideo, dann zeigt es mit ziemlicher Sicherheit nur die Bauchmuskulatur eines belanglosen R&B-Stars.

2. Das Konzept „MTV“ war entgegen aller Annahmen nicht revolutionär. Es wurde 1979 aus Australien geklaut.

3. Rassismusalarm. Es dauerte knapp drei Jahre bis der erste farbige Sänger im Programm von MTV auftauchte: Michael Jackson mit „Billie Jean“.

4. MTV und Viva laufen regelmäßig in Wellness-Studios. Ansonsten: Klingeltonwerbung, Gruß-SMS scrollen durchs Bild, als Menschen getarnte Peinlichkeitsmaschinen führen durchs Programm. MTV und Viva bezeichnen sich als „Jugendsender“, die Zielgruppe beider Sender beginnt bei zehn (!) Jahren.

5. Alle fünf Gründe dafür (siehe oben) sind irrelevant, denn sie sind Vergangenheit. Musikfernsehen ist Formatradio mit Bildern. Es ist tot.