Fünf Gründe dafür

1. SMS-Sprache ist inzwischen Kulturgut: In Japan sind SMS-Romane der Renner, an deutschen Unis werden SMS-Gedichte analysiert.

2. Der SMS-Boom ist ungebrochen: 2008 verschickten die Deutschen 29,1 Milliarden Kurznachrichten. Den Rekord hält eine 13-jährige Kalifornierin mit 14 528 SMS – in einem Monat.

3. Lachen mit T9: schon mal zu Silvester einen Text bekommen, in dem der Liebste mit den Worten „Hallo Russe, guten Putsch!“ grüßt?

4. Blackberry, iPhone, PDA: Braucht man all den hochtechnologischen Schnickschnack? Ein Handy nur zum Telefonieren und Simsen hat den Charme von Vinyl-Sammeln: Es ist antiquiert, aber ehrlich.

5. SMS hat das Anbändeln extrem vereinfacht – und auch das Schlussmachen. Prominenteste Opfer der kurzen Abservierung: Boris Becker, Ralph Siegel und Jennifer Aniston.

Fünf Gründe dagegen

1. Bei Twitter hat man nur 140 Zeichen zur Verfügung, dafür erreicht die Nachricht die ganze Welt. Täglich melden sich bei dem Mikroblogging- Service zwischen 5000 und 10 000 neue Nutzer an, um Followern die Frage zu beantworten: „Was machst du gerade?“

2. Fiepende SMS-Töne müssen aus unseren Bussen und Bahnen verbannt werden. Moderne Handys mit Push-Mail kündigen eine neue E-Mail durch Blinken oder ein dezentes „Pling“ an.

3. Zur Heilung des berüchtigten „SMS-Daumens“, einer schmerzhaften Form der Sehnenscheidenentzündung, werden Salbenverbände, Stromtherapie sowie Kortison-Spritzen empfohlen. Immerhin: Die Kasse zahlt.

4. Bei allen Mobilfunkanbietern lassen sich inzwischen günstige Push-EMail-Pakete mit Datenflatrate abschließen. Für eine SMS zahlt man immer noch 19 Cent für 160 Zeichen. Die Übertragung von einem Megabyte Daten per SMS würde damit derzeit 1423 Euro kosten.

5. Die erste Handynachricht wurde im Dezember 1992 in England verschickt und enthielt die Worte: „Merry Christmas“. Es wird Zeit, das Kommunikationsrelikt in den Ruhestand zu schicken: „machs gut. lg prinz“

Text: Nico Cramer