Die Achtziger sind ihr erspart geblieben. Elly Jackson hat nie erlebt, wie Schlaghosen durch Leggins ersetzt und Blümchen im Haar von Gel und FCKW-Spray verdrängt wurden. Vielleicht ist der 20-Jährigen und ihrem Bandkollegen Ben Langmaid als La Roux gerade deshalb eine schillernde, herrlich verklärte Liebeserklärung an den Synthiepop-Sound dieses Jahrzehnts gelungen.

„Dass ich diese Dekade nicht selbst erlebt habe, macht sie umso interessanter für mich“, sagt die Londonerin. „Wenn ich in den Achtzigern gelebt hätte, würde ich bestimmt anders darüber denken, Schulterpolster zu tragen.“ So aber trägt Elly Jackson zu den Polstern auch noch die passende Fönfrisur. Noch vor drei Jahren war sie das schüchterne, lang- und rothaarige Mädchen mit Akustikgitarre, das sich in der selbstmitleidigen Poesie von Folk und Blues suhlte. Doch die vom Vater vererbte Liebe zu Nick Drake und Neil Young erlosch im selben Maße, wie jene zu Tears For Fears, Erasure und Eurythmics wuchs. „Folk machte mich nicht mehr glücklich“, so Jackson. „Ich wollte nur noch Musik hören und spielen, die dafür sorgt, dass ich mich gut fühle.“ Der Gitarre blühte das Schicksal der Blümchen und Schlaghosen: Sie wurde ersetzt – durch den Synthesizer.

Video-Tipp: „Bulletproof“ von La Roux

Die Bewunderung für Klassiker der Achtziger sind allgegenwärtig auf Langmaids und Jacksons Album „La Roux“. Es ist wie ein großes, durchdachtes Zitatenlexikon der damaligen Tanzmusik. In „Quicksand“ erahnt man die Gesangsmelodie von Prince‘ „When Doves Cry“. „Bulletproof“ mit seinem treibenden Beat erinnert an Dead Or Alives „You Spin Me Round“. Sogar die Gruselstimme aus Michael Jacksons „Thriller“ ächzt in „Tigerlily“. Die erste Single „In For The Kill“ hat dagegen vergleichsweise wenige Achtziger-Bezüge. Guter Riff, knalliger Beat, großartige Melodie und ein Arrangement, das Strophe, Brücke und Refrain makellos miteinander verbindet: der perfekte Popsong.

Der Gefahr, bei so viel Konzept zum flüchtigen Trend zu verkümmern, ist sich Elly Jackson bewusst: „Ich behaupte ja nicht, dass die Beschreibung Eighties-Electropop es nicht trifft. Aber ich will mehr sein als eine weitere Revival-Künstlerin. Unsere Musik ist modern und anspruchsvoll, keine Parodie. Einfach Pop.“ Apropos unsere Musik: Was macht eigentlich ihr mysteriöser Co-Texter und Produzent, während Jackson Interviews gibt, mit Lily Allen tourt oder mit Franz Ferdinand auftritt? „Ben? Um ehrlich zu sein: Ich habe nicht die geringste Ahnung“, sagt Jackson. „Wahrscheinlich ist er unterwegs mit den Ladys und hat bereits unser ganzes Geld verprasst.“
Sascha König