Vielleicht gibt es bald – weniger unangenehme – Alternativen zur Haarverpflanzung. Weltweit forschen Wissenschaftler fieberhaft nach neuen Therapiemethoden und könnten kurz vor dem Durchbruch stehen. So entdeckten US-Forscher ein Gen, das menschliche Haarzyklen regulieren kann. Deutsche Wissenschaftler identifizierten kürzlich ein Haarausfall-Gen sowie einen Rezeptor, also eine Andockstelle für Botenstoffe, der das Haarwachstum regulieren soll. Und eine andere Forschergruppe will aus körpereigenen Haaren Haarstammzellen züchten, um diese dann in die Kopfhaut zu spritzen. Bei einigen Probanden wuchsen tatsächlich an den ehemals kahlen Stellen wieder Haare. Doch ist es bisher nicht möglich, den geklonten Haarwurzeln die Wuchsrichtung vorzugeben. Im schlimmsten Fall wachsen sie kreuz und quer wie Schamhaare. „Bis zur praxistauglichen Anwendung werden sicherlich noch zehn bis zwanzig Jahre vergehen“, so Haar-Experte Neidel.

Der amerikanische Schönheitschirurg Dr. Simon Ourian behandelt schon jetzt erfolgreich Menschen mit Haarausfall. Die neue alte Wunderwaffe: Botulinumtoxin, auch bekannt unter dem Markennamen Botox. Wird das Nervengift in die Schädeldecke injiziert, weiten sich die Blutgefäße und sorgen so für eine bessere Versorgung der Haarfollikel mit Nährstoffen: Das Haar wächst besser, Haarausfall verzögert sich. Sind die Haarwurzeln bereits geschädigt, hilft die Therapie allerdings nicht. Noch fehlen klinische Tests, die Ourians Ergebnisse bestätigen. Aber für Menschen mit Haarproblemen gibt es wieder etwas Neues, das sie im Kampf gegen den Haarausfall ausprobieren können.
Kathrin Kunterding