Fünf Gründe dagegen

1. Schon der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt war der Überzeugung, dass Veränderungen individuell und nicht im Kollektiv bewirkt werden: „Ich gehe auf keine Demonstration, ich bin selber eine.“

2. Modischer Chic wird schnell zur Straftat. Schon ein Schal oder eine Sonnenbrille genügen, um sich der strafbaren Vermummung nach Paragraf 17a des Versammlungsgesetzes schuldig zu machen.

3. Zu teuer: Allein für den G8-Gipfel in Heiligendamm waren 16 000 Polizisten und 1100 Bundeswehrsoldaten im Einsatz.

4. Laut Innenministerkonferenz kann bereits die Teilnahme an einer Demonstration ausreichen, um auf der Liste „linksorientiert politisch motivierter Gewalttäter“ des BKA zu landen.

5. Wer Pech hat, trifft wie Deutschlands berühmtestes Demo-Todesopfer Benno Ohnesorg auf einen Polizisten vom Schlage Karl-Heinz Kurras‘: „Fehler? Ich hätte hinhalten sollen, dass die Fetzen geflogen wären, nicht nur ein Mal; fünf, sechs Mal hätte ich hinhalten sollen.“

Fünf Gründe dafür

1. Seinen Traumpartner finden: Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg hat seine Frau bei einer angemeldeten Demonstration kennen gelernt – bei der Berliner Loveparade im Jahr 1995.

2. Wer protestiert, tut Gutes für seine Gesundheit: Bei einem dreistündigen Fußmarsch verbrennt man circa 600 Kalorien. Mehr als beim Tapezieren oder Rasenmähen.

3. Zukünftigen kritischen Fragen seines Nachwuchses kann man entspannt und guten Gewissens entgegnen: „Schau dir die Demofotos an: Ich war im Widerstand.“

4. Dank Online-Demonstrationen muss man nicht einmal das Haus verlassen. Die erste virtuelle Demo in Deutschland fand am 20. Juni 2001 im Rahmen der „Deportation.class“-Kampagne statt. Ort der beim Kölner Ordnungsamt angemeldeten Demonstration: die Lufthansa-Website.

5. Veränderung ist möglich. Die friedlichen DDR-Montagsdemonstranten haben innerhalb weniger Monate einen Staat zum Einsturz gebracht.

Text: Marco Fuchs