Marc Jacobs hat eine Handtasche nach Ihnen benannt. Wie fanden Sie das?
Phänomenal! Einer der schönsten Momente meines Lebens. Es ist der Beweis, dass alle Träume wahr werden können, selbst für einen Blogger wie mich, der aus der Dritten Welt über die Mode in Europa und Amerika schreibt.

Sie sollen handtaschensüchtig gewesen sein?
Das kann man so sagen. Mein Verlangen nach den neuesten It-Bags war eine Zeit lang so extrem, dass die Bank mein Konto sperrte und meine Eltern mir Geld leihen mussten. Erst jetzt habe ich begriffen, dass man nicht 100 Handtaschen braucht, sondern eigentlich nur eine, die einem wirklich gefällt.

Was würden Sie tun, wenn es das Internet nicht gäbe?
Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ich hatte noch nie einen richtigen Job und kann mir nicht vorstellen, jeden Tag von neun bis fünf Uhr im Büro zu sitzen.
Auf Ihrer Website sieht man Fotos von Models, Stars und Desigern, die „I love Bryanboy“-Schilder in die Kamera halten. Warum brauchen Sie diese Liebesbeweise?
Das Ganze ging los, als ich 2005 mit einem Freund in London chattete und ihm schrieb, ich sei depressiv. Er schickte mir daraufhin ein Bild, auf dem er einen Zettel mit der Aufschrift „I love Bryanboy“ in der Hand hielt. Ich stellte es online und bekam immer mehr Liebesbekundungen aus aller Welt.

Auch von Marc Jacobs?
Ja, sogar von ihm. Ich habe ihn im Februar das erste Mal bei der Fashion Week in New York getroffen. Ihn und viele meiner Internetfreunde, die ich bis dahin nur aus dem Web kannte. Zum Glück waren sie für mich da, als ich mein Portemonnaie verloren hatte. Ich hatte nichts mehr außer einem Ticket für die U-Bahn und hätte fast einen Aufruf in meinem Blog gestartet: „Internet-Celebrity bietet Blowjob für eine Taxifahrt zum Flughafen.“


Wie groß ist Ihre Macht als Blogger?
Die Meinungsmacht verschiebt sich immer mehr von klassischen Medien ins Internet, das stimmt. Aber über Macht und Einfluss mache ich mir kaum Gedanken. Den Leuten scheint einfach wichtig zu sein, was ich zu sagen habe. Die Chefin der russischen „Vogue“ hat mir sogar einen Schal zu Weihnachten geschickt.