Auch sehr kurz- oder weitsichtigen Menschen kann geholfen werden. Vor die eigene Linse wird eine Kunstlinse aus Kunststoff implantiert. Diese Linse nennt man Intraokularlinse oder kurz ICL (engl. = implantable contact lens). Bei der rund 20-minütigen OP führt der Arzt eine gefaltete Kunstlinse über einen winzigen Schnitt am Hornhautrand ein. Die elastische, sehr gut verträgliche Linse entfaltet sich im Auge selbsttätig. Der Schnitt heilt anschließend von allein. Meist können die Patienten die Klinik bereits nach drei Stunden wieder verlassen.

Multitaskingfähig: Mehrstärkenlinsen
Eine Weiterentwicklung der implantierbaren Kunstlinsen sind Mehrstärkenlinsen. Die so genannten Multifokallinsen ermöglichen scharfes Sehen sowohl für die Ferne als auch für die Nähe, weil sie über eine spezielle Optik mit zwei Brennpunkten verfügen. Praktisch für Kurzsichtige, die zusätzlich auch weitsichtig sind und eine Lesebrille tragen müssten. Ganz neu sind torische Multifokallinsen, die darüber hinaus eine Hornhautverkrümmung korrigieren.

Austausch der eigenen Linse
Sogar der Austausch der natürlichen Linse durch eine Kunstlinse ist möglich. Die RLE (engl. = refractive lens exchange) wird bei extremer Fehlsichtigkeit und schon seit Jahrzehnten bei Grauem Star angewendet. Allerdings sollte der Patient über 40 sein, da mit der OP die Fähigkeit zur Naheinstellung verloren geht. Dieses Handicap kann jedoch mit einer Lesebrille oder der Implantation einer Multifokallinse ausgeglichen werden.

Netzhautchips für Blinde
Licht ins Dunkel wollen so genannte Retinaprothesen für Blinde bringen. Seit einigen Jahren laufen Tests, bei denen winzige Chips in die Netzhaut der Probanden implantiert werden, die einfallendes Licht in elektrische Reize umwandeln. Mit Erfolg. Zuletzt konnte der 73-jährige englische Patient Ron dank Chip nach 30 Jahren völliger Erblindung erstmals wieder Lichtreflexe wahrnehmen und so beim Wäschewaschen die weißen von den grauen und schwarzen Socken trennen.
Kathrin Kunterding