PRINZ: Was ist mit dem Punkrock passiert? Wurde er Ihnen langweilig?
Lewis: Nein, aber meine Band The Licks hat sich aufgelöst. Und ich wollte gerne zeigen, dass ich noch mehr bin als dieses „Rock’n’Roll-Animal“.

PRINZ: So reden die meisten Künstler es schön, wenn sie vom Kurs abkommen …
Lewis: Mag sein. „Vom Kurs abkommen“ trifft es schon ganz gut. Als ich die Songs schrieb, fühlte ich mich ziemlich desillusioniert. Ich hatte keine Band mehr, in den USA war Präsidentschaftswahlkampf, mein Lover war weg, und niemanden interessierte es. Ich wollte unbedingt ein Album machen, das dem Rechnung trägt.

PRINZ: Was hat denn der Wahlkampf damit zu tun?
Lewis: Wenn in den USA eine Regierung abtritt, tun alle so, als hinge ihr Schicksal allein davon ab. Das ist zwar Blödsinn, aber so ganz konnte ich mich beim Schreiben dieser Stimmung nicht entziehen.

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PRINZ: Wie verhält man sich, wenn man derart verunsichert ist?
Lewis: Man bleibt sich selbst treu. Ich bin ja kein Popstar, der im Radio gespielt wird und das singt, was andere ihm zurechtschneidern. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Ich bin nur meinen eigenen Maßstäben verpflichtet.

PRINZ: Sie sagen, Sie seien kein Popstar. Nervt es Sie nicht, als Schauspielerin erfolgreich zu sein, aber als Musikerin wesentlich weniger Aufmerksamkeit zu bekommen?
Lewis: Dass meine Musikkarriere überhaupt läuft, grenzt ja an ein Wunder. Mit dem Erfolg habe ich nie gerechnet. Ich fand es aufregend, mich in dieses Abenteuer zu stürzen, ohne zu wissen, was passiert. Ich fühle mich erst dann wohl, wenn alles richtig unbequem ist. Und mal ehrlich: Der große Filmstar bin ich nicht. Ich habe mit Scorsese, Stone und Allen gearbeitet, das ist großartig, aber in Hollywood bin ich nach wie vor eine Außenseiterin.

PRINZ: Dieser Eindruck entsteht auch bei Ihren Filmrollen – machen Sie Musik so, wie sie schauspielern?
Lewis: Kann sein. Ich bin die Stimme der Freaks. Das ist ein Teil von mir und fließt auch in die Figuren, die ich spiele. Und ich hasse es, wenn Dinge sich wiederholen, das treibt mich in den Wahnsinn. Andere machen fünf freundliche Alben mit Akustikgitarre und ändern dann ihren Stil ein klein wenig. Ich mag Veränderungen am liebsten drastisch.
Christian Zeiser