Bunny Munro ist ein Kotzbrocken. Der Vertreter für Kosmetikprodukte hält sich für Gottes Geschenk an die Frauen, nimmt jede, die ihm unterkommt, und träumt heimlich von Kylie Minogue und Avril Lavigne. Alle paar Tage schaut er bei seiner depressiven Frau Libby und seinem neunjährigen Sohn vorbei, dann zieht es ihn zurück in billige Hotels. Eines Tages macht ihm Libby einen Strich durch die Rechnung und bringt sich um.

Ihr Tod verstärkt Bunnys düstere Vorahnungen, er spürt, „dass eine Art Wahnsinn zu Besuch gekommen ist und so lange zu bleiben gedenkt, bis alle Lichter ausgehen“. Er packt seinen Sohn ins Auto und fährt los: auf einen Höllentrip durch Südengland. Bunny möchte sein Leben einfach weiterführen – Junior kämpft indes um die Anerkennung seines Vaters. Mit dem Perspektivwechsel vom derben Bunny zum unschuldigen Sohn erzeugt Nick Cave eine emotionale Spannung, oft so rührend, dass einem die Tränen kommen. Zum Glück taucht manchmal die Mutter im orangefarbenen Nachthemd auf und spendet Trost. Der zweite Geist des Romans trägt eine Teufelsmaske und ist ebenfalls auf Reisen: Zeitgleich mit Bunny bahnt sich ein fanatischer Frauenmörder mit einer Mistgabel den Weg nach Süden.

Die Teufelsgestalt weckt Assoziationen zu Caves Liedtexten. Tatsächlich fügt sich der Roman in dessen Gesamtwerk ein: Zwischen Porno-Trash und Alltag verhandelt Cave in Momenten höchster Poesie Themen wie Religiosität, Liebe und Vergebung. „Man merkt, dass hier ein Musiker am Werk war“, sagt die Übersetzerin Stefanie Jacobs. „Sogar die trashigsten Stellen haben eine große Musikalität. Ich habe versucht, im Deutschen einen ähnlichen Klang zu erzeugen.“ Nick Cave wird das nicht heraushören, wohl aber Blixa Bargeld, der das Hörbuch eingelesen hat. Vielleicht erzählt er seinem früheren Bandkollegen ja, dass Bunny auf Deutsch wie ein „Pferdemetzger auf dem Ponyhof“ wütet.
Tina Rausch