PRINZ: Dein aktuelles Programm heißt „Männer muss man schlagen.“ Warum muss man Männer schlagen?
Ingo Appelt: Guck dich an! Nein, im Ernst: Erstmal darf man Männer schlagen, das gilt auch im übertragenen Sinn. Das sieht man ja auch aktuell in der Politik. Männer werden geschlagen und zwar von Frauen und das überall. Es treten ja schon gar keine Männer mehr an außer Frank-Walter Steinmeier. Die FDP kommt ja mit zwei Frauen: mit Guido Westerwelle und Frau Koch-Mehrin. Dann haben wir zwei Frauen in der so genannten Tigerenten-Koalition, sehr süß. „Wer ist die lahme Ente?“ ist die Frage. Aber immerhin zwei Tuten für ein Hallelujah, ich freu mich drauf.

PRINZ: Was machst du, wenn du dir ein neues Programm ausdenkst?
Ingo Appelt: Viel trinken, mich quälen. Das ist immer sehr schwierig, denn ich schreibe nicht gerne neue Programme. Ich mache immer gerne meine Witze von vor zwanzig Jahren, schreibe einen Satz um und das war es dann. Ich bin eher so ein Patchworker: ich mische die Nummern und erweitere sie. Ein neues Programm heißt eigentlich: Neuer Titel – neuer Auftrag. Dann überleg ich mir, was kann man dazu machen. Manchmal überschneidet sich das halt, manchmal nicht. Das nächste Mal heißt es dann: „Es ist geiler eine Frau zu sein.“ Da arbeite ich gerade dran. Ich trete ja jetzt öfter als Frau auf und zwar mittlerweile als eine richtige Sexmaus und ich merke, dass ich mich da wohl fühle und das Publikum das schön findet. Ich kriege ganz viele Komplimente für meine schönen Beine, für meinen schönen Hintern. Das habe ich so noch nicht erlebt. Sonst wurde ich immer an meinem Wort gemessen, jetzt geht es ins körperliche. Das geht eben anscheinend nur als Frau.

PRINZ: Mann und Frau sind bei dir ein großes Thema. Meinst du, dass sich so ein Thema nie ausreizt?
Ingo Appelt: Die Niederlage, das ewige Scheitern, des Mannes an der Frau ist das übergeordnete Thema. Solange es Männer und Frauen gibt, reizt sich das Thema nun wirklich nicht aus. Es gibt immer neue Facetten, wir haben die Emanzipation, die Frauen die nach vorne wollen, und diese jahrtausende alte Lüge: „die Frauen sind doof“, was die Kirchen immer wieder gesagt haben: „Wenn wir den Frauen das Lesen beibringen, dann ist es vorbei.“ Das ist jetzt genau so gekommen: Sie sind schlau, sie sind nett, sie sind intelligenter, sie sind Hauptzielgruppe in allen Bereichen. Wir leben in einer zivilen Kommunikationsgesellschaft. Da sind Frauen viel besser aufgehoben, als die diese prügelnden, grölenden, Steine schmeißenden, Amok laufenden Männer, einfaches Drecksgesindel, die das Kriegergen immer noch in sich haben und nicht raus kriegen. In einer Zivilgesellschaft braucht man so eine Scheiße nicht. Man versucht es den Jungs auszutreiben, aber es geht einfach nicht. Man sieht: Sie spielen am liebsten Ballerspiele und gucken sehr gerne Pornos. Es gibt gewisse Leidenschaften und das hängt am Testosteron und das kriegst du nicht aus dem Kopf. Da hab ich mir eben gesagt: Konkursverwaltung, Abstiegberatung, Jungs in die zweite Reihe.

PRINZ: Siehst du die Emanzipation als Gefahr für dein Geschäft?
Ingo Appelt: Nein, überhaupt nicht. Da muss man noch weitergehen. Jetzt fangen die Frauen ja endlich an, sich auch zu blamieren, treten aus dem Hasentum heraus von der Opfer- in die Täterrolle. Ein schönes Beispiel: Wenn ich das Buch „Feuchtgebiete“ mit all den Details geschrieben hätte, würde man mich als sexistische Drecksau bezeichnen. Das würde sofort zensiert werden. Aber als Frau kann man das machen. Jetzt hörst du dann die Mädels sagen: „Toll, seit Charlotte das geschrieben hat, ist uns nichts mehr peinlich.“ So waren wir auch die letzten 1000 Jahre. Jetzt seid Ihr dran.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie Ingo Appelt Imageprobleme umgeht und warum der CDU-Landesfrauenverband seine Sendung auf dem Gewissen hat.
PRINZ: Du hättest eher ein schlechtes Standing, wenn du so etwas ablieferst?
Ingo Appelt: Als Komiker habe ich da ein sehr gutes Standing, weil ich gemerkt habe, dass wenn man sich direkt an die weibliche Zielgruppe wendet, es auch ankommt. Darum geht es ja auch: Die Frauen sind die Hauptzielgruppe. In der Comedy bestimmen die Frauen darüber, wer die Häuser füllt und wer nicht. Zu Comedyveranstaltungen geht man nicht allein, sondern als Paar. Und wenn der Typ kommt und sagt: „Ey, wir gehen zu Ingo Appelt“, dann sagt sie: „Ne, da geh ich nicht hin. Ich geh lieber zu Dieter Nuhr oder zum Mittermeier, die sind nämlich lieb und der Appelt redet nur vom Ficken, das ist scheiße.“ Deshalb hatte ich zeitweise allerdings ein riesengroßes Problem. Damit habe ich schnell ein Imageproblem. Ich kriege nichts verkauft, kriege die Hütten nicht voll.

PRINZ: Wärest du denn bereit, deine Nische zu verlassen, um massenkompatibler zu werden?
Ingo Appelt: Man muss die Nische halt erweitern, sich selber zum Schwein erklären. Du setzt dich da halt mit rein und sagst: „Jungs, wir müssen daran arbeiten.“ Also jetzt diese Rolle vom Saulus zum Paulus, sich als Frauenversteher verkaufen, das macht auch richtig Spaß. Das aktuelle Programm funktioniert für mich als Künstler am stärksten. Ich hab noch nie so viel Spaß gehabt auf der Bühne, weil es so wahrhaftig ist. Das geht weit über das hinaus was Mario Barth macht, der sagt: „Ick hab ne Freundin, ick dreh durch.“ Das ist für mich nur ein Teil des Ganzen. Aber das ganze große Spiel nach dem Motto „Die Männer sind die Loser, die Frauen die Größten und jetzt gucken wir mal wo wir hingehen“, das finde ich spannend, das hat für mich politische Dimensionen.

PRINZ: Ist das eine richtige Marktstrategie?
Ingo Appelt: Markstrategien hatte ich nie. So etwas entsteht aus dem Bauch heraus. So war es auch damals mit diesem „Ficken“-Schild. Das war keine Marktstrategie, hat aber sehr gut funktioniert, weil die Bettnässer das sehr gut angenommen haben und plötzlich hast du da den Saal voll mit 5000 kreischenden Teenies, die nur was vom Wichsen hören wollen und vom ersten Sex, das zieht mich dann so hinterher. Anschließend haben sie dann gesagt, dass sei alles eklig und doof und sind gegangen. Diese Dinge passieren halt. Wenn ich eine wirkliche Marktstrategie hätte, wäre ich natürlich auch erfolgreicher.

PRINZ: Würdest du Formate wie die „Ingo Appelt Show“ noch einmal machen?
Ingo Appelt: Da haben wir so ein Beispiel. Sofort. Ich fand das auch überhaupt nicht schlimm. Das ist immer so das Pech, wenn jemand wie ich so umstrittene Dinge tut. Dann kann es passieren, dass du abstürzt wie ein Hochseilartist. Wenn ich ohne doppelten Boden und Rettungsseil arbeite, stürze ich dann halt ins unendliche. Aber das macht auch einfach den Spaß aus. Das kann total lächerlich sein, wie die Entscheidung von Pro 7, mich da vom Sender zu nehmen. Denn ich hab echt schon schlimmeres auf diesem Sender gemacht, für das sie mich ja auch letztlich rausgeschmissen haben. Aber da haben wir es wieder: Es hat sich der CDU-Landesfrauenverband beschwert. Und wenn Frauen sich beschweren in der Öffentlichkeit, dann sind die Jungs zuerst bemüht, statt sich davor-, mich rauszuschmeißen. So ist es dann auch gelaufen. Pech.
Tim Pommerenke

Über den Autor: Tim Pommerenke schätzt deftigen Humor, weshalb ihm das Interview bei der o2 World on Tour mit Ingo Appelt viel Freude bereitete.