PRINZ: Du bist ausgebildeter Kinderkrankenpfleger und Sportlehrer. War es schon immer dein Traum Comedian zu werden?
Johann König: Überhaupt nicht, das war nie mein Plan. Ich bin gezwungen worden durch die Menschen, die so gelacht haben. Ich war 26, fast fertig mit dem Studium und hab dann auf der Bühne ein Gedicht vorgelesen. Das war gar keine Bühne, nur so ein Café und da wurde so gelacht, dass ich dachte: Das muss ja witzig sein. Und dann hab ich das immer wieder gemacht, weil ich das auch mochte, dass die lachen. Obwohl das nicht lustig gemeint war. Das habe ich dann immer wieder gemacht, hatte Auftritte auf offenen Bühnen, wovon auch Videos gemacht wurden. Dieses Video habe ich dann Thomas Hermanns geschickt. Der hat mich eingeladen und da dachte ich schon: Oha, das muss ja doch was sein, da muss ja mehr sein, wenn der mich einlädt. Aber das war da immer noch nicht mein Plan, beruflich was mit Comedy zu machen, sondern ich wollte Lehrer werden. Das war mehr so ein nettes Hobby. Und irgendwann konnte ich nicht mehr anders.

PRINZ: Gibt es Vorbilder für deine Art der Unterhaltung?
Johann König: Das ist autodidaktisch. Gestern sagte jemand, dass ich ihn an Heinz Erhardt erinnere, vom Sprechen her und vom Singsang. Und wenn es ein Vorbild gibt, dann Heinz Erhardt. Aber Heinz Erhardt, der hat mich ja im Grunde schon in den 50er Jahren kopiert. Ich bin eigentlich sein Vorbild gewesen.

PRINZ: Über wen musst du selbst lachen?
Johann König: Über Heinz Erhardt. Ich lache nicht über professionelle Kollegen, dazu bin ich zu sehr im Geschäft und guck eher mit so einem beruflichen Blick drauf. Ich lache eher über meinen Sohn oder die Katzen oder meine Freundin, aber nicht über Leute, die mich zum Lachen bringen wollen.

PRINZ: Findest du es schade, dass du bei denen nicht mehr lachen kannst?
Johann König: Ja, das ist sehr sehr schade. Ich kann nicht lachen beim Fernsehen. Ich mach ja auch den Fernseher an, weil mir so langweilig ist und wenn ich das so sehe, auch die Comedysendungen, dann denke ich schnell: So langweilig war mir gar nicht. Man wird schon versaut, wenn man da mitmischt. Aber ich kenn das ja auch, wenn viele bei mir abschalten, das ist dann auch okay.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum Johann König sich selber nicht allzu ernst nimmt und warum alle gerne springen, wenn Thomas Herrmanns ruft.PRINZ: Siehst du deine Comedy als Unterhaltung oder willst du den Leuten auch einen Spiegel vorhalten?
Johann König: Das ist nicht mein Anliegen, aber natürlich passiert das, weil ich Sachen erzähle, in denen sich Leute wiederfinden. Man kann das immer auch als Spiegel interpretieren, aber das würde ich nie von mir behaupten, dass ich den Leuten einen Spiegel vorhalte. (Johann König legt seine Stirn in tiefe Falten) Ich sehe mich als Unterhalter, als jemand, der konsumiert wird. Die Leute konsumieren mich. Die gehen nachher aus der Vorstellung raus und haben mich wieder vergessen. Ich sehe mich auch nicht als großen Künstler. Ich biete ein Produkt an und die Leute können das kaufen. Sie können sich da hinsetzen und dann können sie wieder gehen. Das ist eigentlich ein bisschen desillusionierend irgendwann. Aber es war am Anfang bei Auftritten so: Wenn die Leute ganz schnell rausgegangen sind aus dem Saal, dann bin ich noch mal auf die Bühne gegangen, stand im leeren Saal auf der Bühne. Da fühlte ich mich ein bisschen benutzt und ausgelaugt von den Leuten. Sie haben gelacht und sind dann weggegangen. Das hatte ich eine Zeit lang, bis ich gecheckt habe, dass es einfacher ist, wenn ich sage: Ich biete ein Produkt. Die Leute kaufen sich eine Eintrittskarte und danach gehen sie wieder nach Hause. Bei mir ist das ja genauso, wenn ich ins Kino gehe oder wenn ich früher ins Kabarett gegangen bin. Man darf es nicht so persönlich nehmen, wenn Leute früher gehen. Das ist ja auch ganz schlimm, wenn man sein ganzes Selbstvertrauen aus dem Beruf zieht, das heißt ganz schlecht drauf ist, wenn die mal nicht so lachen. Das habe ich mir abgewöhnt.

PRINZ: Hat denn schon mal jemand „Danke“ gesagt?
Johann König: Ja, klar: „Danke für den schönen Abend.“ Das sagen eigentlich alle. Das ist eine Befriedigung und eine Bestätigung, die jeder braucht in seinem Beruf. Dann habe ich ja noch das Gästebuch auf meiner Homepage, um zu sehen, wie die Leute mich aufnehmen. Aber man darf das nicht zu sehr an sich heranlassen. Ich überfliege das Gästebuch und wenn ich das nicht hätte, dann habe ich ja noch die Autogrammstunde, wo ich ein bisschen was mitkriege. Aber es gibt Leute, die geben keine Autogrammstunde, die haben auch kein Gästebuch. Ich finde es aber wichtig, dass man hinterher noch versucht, ein bisschen in Kontakt mit dem Publikum zu bleiben.

PRINZ: Spielst du lieber vor einem Publikum oder einer TV-Kamera?
Johann König: Was für eine Frage, natürlich immer fürs Publikum. Ich bin nicht so gerne bei Fernsehauftritten. Aber das muss man ja machen, um bekannt zu bleiben. Das größte ist es natürlich, ein Theater zu haben und man kann zwei Stunden lang machen, was man will. Das ist das allerbeste überhaupt. Im Fernsehen werden die Leute immer animiert zu klatschen. Da lastet Druck auf dem Studiopublikum. Sie finden dann etwas ein bisschen lustig und klatschen. Das Klatschen nimmt aber die ganze Spannung. Wenn die Lachen würden, wäre das super, aber wenn ich fünf Minuten auftrete und die klatschen sechs mal, dann nimmt das schon die Spannung raus. Es gibt aber auch Sachen, die ich gern mache – der Quatsch Comedy Club gehört dazu. Hier macht es kaum einen Unterschied zum Live-Auftritt. Ich bin seit 10 Jahren dabei und da eine Loyalität und eine Vertrautheit. Wenn Thomas einlädt, dann kommen wir alle und das hat auch seinen Grund. Ich bin ihm auch sehr dankbar. Nachdem ich mein Video an ihn geschickt hatte, kam lange keine Antwort und dann rief das Schmidt Theater bei mir an und wollte mich für sechs Wochen buchen und da hab ich gesagt: „Was, wieso, woher habt ihr überhaupt meine Nummer und woher wisst ihr wer ich bin?“ Es war so, dass Thomas mich einfach empfohlen hat bei verschiedenen Häusern und dann konnte ich sechs Wochen am Stück hier am Schmidt Theater spielen. Das war der Wahnsinn, die haben mich blind gebucht. Das war eine super Starthilfe von ihm.
Tim Pommerenke

Über den Autor: Tim Pommerenke hatte als bekennender Sprachästhet viel Freude beim Interview mit Johann König bei der o2 World on Tour.