Heckflossen? Niemals!
Natürlich hatte ein Mercedes-Benz niemals Flossen, nie! Peilkanten gab es zwar schon, die zur Orientierung beim Einparken dienten, und diese waren bei den W111-Limousinen je nach Austattung auch verchromt, aber es waren eben keine Flossen! Zumindest nach der offiziellen Sprachregelung des Herstellers. Um die kümmerten sich die Kunden und Fans der Marke allerdings herzlich wenig, sie sprachen von der grossen Heckflosse, um den Unterschied zu den bürgerlichen Vierzylindermodellen herauszustreichen, der Kleinen oder einfach nur Heckflosse. Die Grössenbezeichnung bezog sich pikanterweise nur auf die Länge des Vorderwagens, der je nach verbautem Motor variierte, die sich anschliessenden Passagier- und Gepäckteile waren hingegen identisch.

 

Kurvendiskussion
Die Linien waren unter Kurt Wilfert, dem Leiter der Karosserieentwicklung, entstanden und folgten nach dessen eigenem Bekunden nicht der Mode, sondern hielten sich in respektvollem Abstand in Rufweite des Zeitgeistes. Als 1957 der französische Künstler und Stilist Paul Bracq die Leitung der Designabteilung bei Mercedes-Benz übernahm, schlug sich das auch in den 1961 vorgestellten Coupés und Cabriolets der grossen Baureihe nieder. Deren gestreckte Linienführung und elegante Formgebung waren ein bedeutender Schritt weg vom barocken Charme der Limousinen. Hier kündigte sich eine neuer, fast unterkühlt funktionaler Stil an, der seinen Höhepunkt im Strich Achter finden sollte.

Eleganz aus französischer Feder
Das Coupé, ebenso wie das Cabriolet, waren genauso lang wie die große Heckflosse, aber sie wirkten viel länger! Durch moderat gesetzte Sicken und verchromte Leisten am unteren Abschluss der Karosserie wirkten die Autos einfach gestreckter. Da die Coupés und Cabriolets ohne die sonst übliche Reduktion des Radstandes auskamen, erfreute auch der Innenraum mit fürstlichen Platzverhältnissen, in denen die Passagiere auf ein wohnliches Ambiente aus Holz und Leder trafen. Diese durften sich auch sicher und geborgen fühlen, da auch hier die neueste Kreation der schwäbischen Ingenieure, die Sicherheitszelle, für hohe Überlebenschancen im Fall der Fälle sorgte. Noch durfte der Kühlergrill sich stolz dem Fahrtwind entgegenstellen, aber auch er büsste seine dominante Stellung an der Front der Wagen 1969 ein, als die Ära der "Flachkühler" begann.

Ein neuer Motor für den Stern
Noch bevor jedoch auch die letzte Bastion der Tradition vom Franzosen geschleift wurde, durfte es sich 1968 ein neuer Motor hinter dem "Hochkühler" gemütlich machen, der 280 SE. Es handelte sich um eine klassisches Reihenaggregat mit sechs Zylindern mit einem Graugussblock und einer mechanischen Bosch-Benzineinspritzung. Verwaltet wurde die Kraft von einem im Hause entwickelten Viergangautomaten, dessen hydraulische Steuerung auch für andere Automatiken unübliche Funktionen wie Ab- und Anschleppen beherrschte. Für den Banausen liess sich zu einem Minderpreis ein manuelles Getriebe ordern, aber wer so etwas den eleganten Fahrzeugen zumutete, hatte deren Seele nich ganz verstanden.

Autos für die Ewigkeit
Den hier war ein Auto für die entspannte grosse Fahrt entstanden, das es seinem Fahrer einfach machen wollte. Ausreichende, aber nicht zu üppige Leistung standen in bester schwäbischer Solidität zu Gebote. Handwerkliche Perfektion strahlte aus jeder Ritze, jeder Regler, Schalter, Handgriff für eine Ewigkeit geplant und gebaut. Wenig überraschte daher ein Preis, der sich in den Regionen einfacher Einfamilienhäuser bewegte.

Den Schwaben folgen
Auto Art hat sich dem Coupé von 1968 jetzt angenommen und ein exquisites Modell auf die Räder gestellt, dass dem Konto nicht ganz so große Kerben schlägt. Im klassischen Schwarz erfreut die gestreckte Linienführung das Auge. Jede Sicke, jedes Chromteil sitzt an der richtigen Stelle und noch besser: Auch in der richtigen Größe. Im Innenraum erfreuen verchromte Instrumente, ein relativ dezenter Hupring und diese unnachahmliche Kombination aus Leder und hochglanzpoliertem Edelholz  für die authentische Mercedes-Atmosphäre. Zwar sind die Zutaten im Modell aus schnödem Kunststoff, doch sieht man das den Materialien nicht sofort an, deren Qualität bewegt sich auf hohem Niveau. Ein Blick unter die grosse Motorhaube lohnt sich, hier haust eine liebevolle Nachbildung des grossen Reihensechsers. Ebenso lohnend der Blick in den Kofferraum, der mit Teppich ausgeschlagen auf das Gepäck für die grosse Reise harrt. Alles in allem ein gelungenes Modell, dass den Zauber der Bracqschen Linien in die Vitrine holen kann.

Bildquelle: Modelcarworld

Das Modell finden Sie hier.

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