Vor dem Einstieg in die Filmwelt hatte Kosslick als Redakteur bei „konkret“ eine Öko-Tipp-Ecke ins Leben gerufen. Das war 1982. Er sei wohl, schätzt er, damals arg dafür belächelt worden. Sein Zeigefinger geht hoch: „Kaufe nie etwas, wenn du die Namen der Inhaltsstoffe nicht komplett verstehst“. So erging es ihm selbst einmal, erzählt er, – wir stehen noch im Eingang des Moreno Carusi – als er für sein Söhnchen Fridolin an einer Autobahnraststätte eine Kleinigkeit kaufen und schnell aufgeben musste. Er lacht: „Ich bin schon ziemlich militant.“

Er nestelt an der Serviette. „Habt ihr schon in die Speisekarte geguckt?“ Restaurantchef Moreno Carusi winkt aus der Küche. Kosslick ist oft in dessen Lokal, es liegt nah am Büro. „Mein Dieterle“, nennt ihn Carusi. Er liebe, sagt Kosslick, dass die Speisen hier nicht zu kompliziert und immer frisch zubereitet sind. Gutes, gesundes, möglichst organisches Essen ist ihm wichtig, auch bei der Berlinale: Mit der Reihe Kulinarisches Kino will Kosslick durch Filme bei den Besuchern ökologisches Bewusstsein wecken. Starköche verwöhnen dazu die Cineasten. Eine Idee mit Publikumszulauf und Diskussionspotential, die Tickets für die am 14.2. startende Filmreihe waren in weniger als einer halben Stunde weg. Wenn er erzählt, wird klar: Mit großer Energie will er Überzeugungsarbeit leisten, der Einsatz für gutes Essen ist für ihn im persönlichen Alltag und im Beruf eine große, eine wichtige Aufgabe. „Diese Gedanken müssen in die jährliche Programmierung der Berlinale einfließen.“

Ökologisch denkt Dieter Kosslick auch an anderer Stelle beim Festival: Der Stromverbrauch soll reduziert werden, und er möchte dafür sorgen, den unnötigen Einsatz von Papier zu vermeiden. Im vergangenen Sommer hat er in San Francisco jemanden getroffen, der aus Steinen Papier herstellen kann. „Unser allergrößtes Projekt, an dem wir arbeiten, ist eigentlich, die Berlinale nicht rot zu machen, sondern grün!“ Irgendwann klingelt das Restauranttelefon. Der Kellner schaut freundlich zu Kosslick. Ein Anruf aus seinem Büro. „Ich sause dann mal zurück“, sagt er entspannt. Und: „Vielen Dank, es war sehr nett.“ Danke. Für uns auch.
Karen Grunow