Meditationen für den Frieden
Religiös verblendet und im Sog der transzendentalen Meditationslehre eines indischen Gurus gefangen ist ein junger Berliner Filmemacher, der seine Sehnsucht und Suche nach dem Rezept für den Weltfrieden mit „David wants to Fly“ dokumentiert. Dieser Beitrag ist einer von 54 Filmen der Berlinale-Sektion Panorama, die seit 1986 in ihrer heutigen Form Teil der Berlinale ist und zuvor als „Info-Schau“ den großen Wettbewerb ergänzte. Alle Filme sind entweder Welt- oder zumindest Europa-Premieren, nach den Vorführungen gibt es – ähnlich wie im Forum – stets Publikumsgespräche mit den Regisseuren und Darstellern.
Zu denen gehört in diesem Jahr auch Sibel Kekilli, die in „Die Fremde“ eine Deutschtürkin in der Türkei spielt. In ihrer Heimat sind die jungen Actionhelden des taiwanesischen Films „Monga“ große Stars, für viel Gesprächsstoff wird sicherlich die Dokumentation „Red, White and the Green“ über den Trubel vor den Wahlen im Iran im Juni vergangenen Jahres sorgen. Auch „Budrus“ über den friedlichen Widerstand eines palästinensischen Dorfes gegen die gigantischen Grenzanlagen der Israelis, die die Dorfbewohnern von einem großen Teil ihres Landes abzuschneiden drohen, ist eine Doku mit Zündstoff.

Die Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart ist einer der großen Themenschwerpunkte, sowohl in Dokumentationen als auch in Spielfilmen, immer wieder streifen die Inhalte das große Thema Familie. Wobei, wie Sektionsleiter Wieland Speck es formuliert, „die Dysfunktionalität der Familie nicht mehr als Zweck für einen Film benutzt, sondern vorausgesetzt“ wird. Eröffnet wird das Panorama am 11.2. mit Felix Mikhailovs „Veselchaki“, der russische Regisseur entlarvt mit seinem Blick in ein Moskauer Transenkabinett die zutiefst homophobe russische Gesellschaft. Überhaupt sind schwul-lesbische und Transgender-Filme von Beginn an wesentlicher Teil des Panoramas gewesen. Seit 1987 wird überdies der Teddy Award verliehen, für den queere Filme aus allen Sektionen der Berlinale ins Rennen gehen.
Karen Grunow