Cindy und andere Schönheiten
Soviel darf schon jetzt verraten werden: Nahezu alle der 14 Beiträge dieser seit 2002 etablierten Festivalreihe sind absolut sehenswert. Da ist die Dokumentation von Jan Raiber, der in „Alle meine Väter“ die Suche nach seinem wahren Erzeuger beschreibt. Der, den er immer dafür hielt, ist es nicht, der, der ihn wie ein Vater aufzog, unterstützt den Ziehsohn dabei. Was in der Familie durch die Spurensuche des Sohnes aufbricht, was ans Tageslicht kommt, wie der junge Filmemacher selbst mit den Überraschungen umgeht, ist ab 16.2. zu sehen.

Oder die Doku „Frauenzimmer“ von Saara Aila Waasner: Hier erzählen drei Frauen, 49, 58 und 64 Jahre alt, warum sie als Prostituierte arbeiten. Der Film führt sie nicht vor, sondern taucht tief ein in die Lebensweisheiten der Drei. Adrette, ihren fußballernden Gatten zujubelnde Spielerfrauen hieven Joachim Dollhopf und Evi Goldbrunner in ihrem Kurzfilm „WAGs“ auf die Leinwand, „Narben im Beton“ zeigt die Verzweiflung einer dreifachen Mutter, die von ihrer erneuten Schwangerschaft überfordert ist.

Ein Stammgast der Berlinale ist Clemens Schick, der in „Cindy liebt mich nicht“ mit einem anderen Typen um besagte Cindy konkurrieren muss. In „Hollywood Drama“ dagegen gibt er einen geradezu genialischen, aber überkandidelten deutschen Schauspieler, der bei seinem ersten Engagement in Hollywood an den künstlichen Filmwelten dort und den Plastebrüsten seiner amerikanischen Kollegin scheitert. Bereits zum sechsten Mal Gast der Perspektive ist Jakob Matschenz, der sich wie der von Robert Gwisdek gespielte Rollstuhlfahrer Ben in „Renn, wenn du kannst“ in Anna Brüggemann verliebt. Mit diesem wunderbaren Trio wird die Reihe „Perspektive deutsches Kino“ am 12.2. eröffnet.
Karen Grunow