Play it again
Aus der Fülle der großen Entdeckungen aus den 59 vergangenen Berliner Filmfestspielen wählte der US-amerikanische Filmkritiker David Thompson 38 Filme, die nun in der Retrospektive „Play it again…!“ gezeigt werden. Natürlich ist „Außer Atem“ von Jean-Luc Godard dabei, denn mit diesem 1959 gedrehten Film zog die Nouvelle Vague nicht nur in die Berlinale, sondern generell in die Filmgeschichte ein. Es wird Beispiele geben aus der Zeit, als die Berlinale auch ein Instrument des Kalten Krieges war, Filme aus sozialistischen Ländern und Kino aus Asien, das schon in den 80er Jahren in Berlin eine wichtige Plattform fand.

Ein für die Geschichte der Berlinale überaus wichtiger Film jedoch fehlt: „o.k.“ von Michael Verhoeven. Wegen dieses Streifens wurde 1970 das Festival vorzeitig abgebrochen, da der US-amerikanische Jury-Vorsitzende George Stevens sich und das Volk der USA durch die offene Kritik am Vietnam-Krieg in „o.k.“ beleidigt sah. Rainer Rother, Leiter der für die Retrospektive verantwortlichen Deutschen Kinemathek, kann dazu nur bedauernd feststellen, dass der Produzent nicht wollte, das „o.k.“ noch einmal bei einer Berlinale aufgeführt wird.
„The Deer Hunter“ (Die durch die Hölle gehen), ein weiterer, den Vietnam-Krieg thematisierender Skandalfilm des Festivals, gehört dagegen selbstverständlich zur Retrospektive. Werner Herzog, in diesem Jahr Präsident der Wettbewerbsjury, wird mit seinem poetischen Erstling „Lebenszeichen“ von 1968 ebenfalls in der Rückschau vertreten sein.

Nach welchen Gesichtspunkten Thompson die Beispiele auswählte, welche er filmhistorisch als besonders herausragend bewertet, wird er übrigens selbst erklären in einem Gespräch am 12.2. ab 18 Uhr im Filmhaus in der Potsdamer Straße. Auch Jeanne Moreau, seit fast 60 Jahren den Filmfestspielen verbunden, und „Mary Reilly“-Regisseur Stephen Frears werden während des Festivals zu Gesprächen erwartet.
Karen Grunow