Neben Ethan und Joel Coen werden die Stars des Films, Jeff Bridges, Josh Brolin und Hailee Steinfeld, am 10.2. über den Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast flanieren. Dieser Western sei eigentlich „ein Frauenfilm“, sagt Berlinale-Chef Dieter Kosslick fest. Auch wenn da überwiegend Männer mitspielen. Da der Film in den USA allerdings schon in den Kinos läuft, geht er in Berlin nicht ins Rennen um die Berlinale-Bären. Das bleibt ausschließlich Wettbewerbsfilmen vorbehalten, die während der Filmfestspiele ihre Weltpremiere erleben. Insgesamt werden 22 Filme gezeigt, 16 davon konkurrieren um die Trophäen.
Gleich vier junge Regietalente wurden in den Wettbewerb eingeladen. Und die, kommentiert Kosslick, „erzählen oft Geschichten, die vor der Haustür liegen“. Seyfi Teoman beispielsweise zeigt seinen zweiten Spielfilm „Bizim Büyük Caresizligimiz“ (Unsere große Verzweiflung) im Wettbewerb, mit seinem ersten wurde er 2008 ins Forum der Berlinale eingeladen, vor 5 Jahren war er noch einer der wissbegierigen Teilnehmer des Berlinale Talent Campus‘. In diesem Jahr wird er dort als Redner auftreten und den weltweiten Filmnachwuchs unterrichten.
Als Dokumentarfilmer gilt Andres Veiel gewissermaßen als RAF-Experte, seitdem er in „Blackbox BRD“ die Vorgänge des tödlichen Attentates auf Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen am 30. November 1989 rekonstruierte. Nun verarbeitet er das Thema RAF in seinem ersten Spielfilm „Wer wenn nicht wir“ mit Alexander Fehling als Andreas Baader und der bislang eher Theatergängern bekannten Lena Lauzemis als Gudrun Ensslin.
„Eine Spurensuche nach Liebe und Identität“ ist „Un Mundo Misterioso“ von Rodrigo Moreno, findet Kosslick. Er schwärmt auch von dem mexikanischen Beitrag „El premio“ von Paula Markovitch: Sie schildert die Folgen einer Diktatur, ohne dass diese im Film wirklich sichtbar werden. Eingeladen wurde auch der ungarische Meister der Langsamkeit, Béla Tarr, mit „Das Turiner Pferd“. Die „Geschichte einer Ehe, die nicht mehr lebbar ist“, so Kosslick, erzählt der iranische Regisseur Asghar Farhadi in „Nader and Simin, a separation“. Dabei geht es nicht um Entfremdung, weil die Ehepartner sich nicht mehr lieben, sondern weil sie ihre Liebe in dem Land, in dem sie leben, nicht ausleben können. Wie auch die anderen iranischen Berlinale-Beiträge in den anderen Festivalsektionen sei Farhadis Streifen ein „Film aus der Mitte jener Gesellschaft“, erklärt Kosslick.
Noch mit der 2009 verstorbenen Choreographin Pina Bausch hatte Wim Wenders das Filmprojekt geplant, das er dann erst nach ihrem Tod realisieren konnte und das nun als Weltpremiere im Wettbewerb präsentiert wird. „Pina“ zeigt uns ihr weltberühmtes Tanztheater. Wer mal das Glück hatte, eine ihrer Inszenierungen zu sehen, der weiß um die Sogwirkung, die Faszination, die von den getanzten Bildern ausgeht. Wenders hat daraus einen 3D-Film gemacht. Das wird sicherlich eines der großen Erlebnisse der Berlinale werden.