Auf der Spur der Bären
„Wir lernen Friseusen aus Marzahn und Könige kennen, verfolgen Bären und geben uns Tanzträumen hin“, fasst Berlinale-Direktor Dieter Kosslick treffend das Programm des Berlinale Special zusammen, das nach dem überaus erfolgreichen Start 2009 als neue Festival-Sektion nun eine Neuauflage erleben wird. Im Special, dessen Premieren in exklusivem Rahmen vor allem im Friedrichstadtpalast und im Cinema Paris stattfinden, werden herausragende Neuproduktionen bedeutender Filmemacher vorgestellt, ausgewählt von Kosslick selbst.

Mit einer Gala wird am 12.2. die Premiere der rekonstruierten Fassung von Fritz Langs „Metropolis“ gefeiert werden, das Filmorchester Babelsberg spielt dazu die originale Filmmusik. Wer nicht zu dem illustren Kreis gehört, der dafür Tickets ergattern konnte, kann sich die Live-Übertragung kostenlos auf Großleinwand am Brandenburger Tor oder ab 20.15 Uhr auf 3sat ansehen. An Eric Rohmer, den kürzlich verstorbenen Meister poetisch dichter, oft wortreicher Liebesfilme, wird mit einer Wiederaufführung vom „Pauline am Strand“ am 15.2. erinnert. 1983 gewann Rohmer dafür – wie auch schon 1967 für „Die Sammlerin“ – einen Silbernen Bären. Rohmer gilt als einer der Gründungsväter der die Filmgeschichte revolutionierenden Nouvelle Vague.

Gleich sechs Oscar-Preisträger treten in Rob Marshalls neuer Musical-Verfilmung „Nine“ auf: Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Sophia Loren, Judi Dench, Penelope Cruz und Nicole Kidman. Angekündigt hat Gael Garcia Bernal, dass er der Weltpremiere des von zehn lateinamerikanischen Regisseuren zusammengestellten Episodenfilms „Revolucion“ am 15.2. beiwohnen wird. Mit „Die Spur der Bären“ feiert sich die Berlinale selbst; berühmte Stars erzählen in dieser Doku, warum ihnen dieses Filmfestival das wichtigste von allen ist. Außerdem gibt es wunderbare Szenen aus 60 Jahren Festivalgeschichte, etwa Gina Lollobrigidas angespannt-pikierten Gesichtsausdruck, als sie 1986 als Vorsitzende der Wettbewerbsjury verkünden musste, dass „Stammheim“ den Goldenen Bären gewinnen wird. Mit ihrem Unmut über diese Entscheidung ihrer Jury-Kollegen entfachte sie danach einen Skandal.

Die immer wieder wunderbare, vor allem durch Andreas Dresens „Die Polizistin“ bekannt gewordene Gabriela Maria Schmeide ist in Doris Dörries neuestem Film übrigens jene von Dieter Kosslick angekündigte Friseuse, die kennenzulernen am 14.2. im Friedrichstaftpalast möglich ist.
Karen Grunow