Gangster mit Badehose
„Pumpgun-Ronnie“ nannte die Presse 1988 jenen Bankräuber, der der Polizei beständig davonlief. Denn Johann Rettenberger war nicht nur ein Profi in flotten Bankgeschäften, sondern auch ein überaus erfolgreicher Marathonläufer. Der Berliner Benjamin Heisenberg hat nun mit „Der Räuber“ die aberwitzige Geschichte verfilmt und wird sie als eine der 18 Weltpremieren des Wettbewerbsprogramms vorstellen. 20 Filme gehen ins Rennen um die Goldenen und Silbernen Bären, 26 Filme werden insgesamt im großen Berlinale-Palast gezeigt, außer Konkurrenz laufen „Shutter Island“ von Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio und Ben Kingsley und das Dokufeature „Exit Though the Gift Shop“, ein Film von Streetart-Star Banksy über, wie er selbst sagt, „einen Mann, der einen Film über mich zu drehen versucht“. Denn niemand weiß, wer dieser Banksy eigentlich ist, der sogar Berlin mit 24 seiner auf dem internationalen Kunstmarkt zu gigantischen Preisen gehandelten Werke dekoriert hat.


„Der Wettbewerb zum 60. Geburtstag wird von einem Mix der Stile und Genres geprägt, von aufregenden Newcomern und renommierten Regisseuren“, sagt Festivaldirektor Dieter Kosslick. Die Hälfte aller nun zum Wettbewerb eingeladenen Regisseure war schon mindestens einmal bei der Berlinale dabei; Michael Winterbottom, der „The Killer inside me“ mit Jessica Alba und Casey Affleck vorstellen wird, hat selbst schon eine kleine Bären-Auslese daheim. Der norwegische Beitrag „En ganske snill mann“ (A Somewhat Gentle Man) ist eine Gangstergeschichte mit Stellan Skarsgård, in „Mammuth“ gibt Gerard Depardieu einen korpulenten, schweigsamen Schlachthof-Mitarbeiter. In „The Ghost Writer“ muss Ewan McGregor die Memoiren des früheren britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) verfassen, Oskar Roehler erzählt in „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ (Foto: Moritz Bleibtreu und Tobias Moretti) die Geschichte und Nachgeschichte des Hauptdarstellers jenes von Veit Harlan 1940 inszenierten NS-Propagandafilms.

Yoji Yamada, der für sein Lebenswerk mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet wird, zeigt „Otoutou“ den Zerfall einer japanischen Mittelstandsfamilie. Familie, betont Berlinale-Chef Dieter Kosslick, bleibe ohnehin eines der großen Themen des Festivals, so auch im Thomas Vinterbergs „Submarino“, wo zwei Brüder sich im Gefängnis wiedertreffen. Die Zusammensetzung der Wettbewerbsjury ist ebenfalls vielversprechend: Autorenfilmer und Klaus-Kinski-Freund Werner Herzog hat den Vorsitz übernommen, unterstützt wird er u.a. von Hollywood-Star Renée Zellweger und der in den 50er Jahren als Kinderstar berühmt gewordenen Cornelia Froboess. Für Berlinale-Chef Dieter Kosslick „ein Lieblingswunsch“, denn als im Juni 1951 die erste Berlinale eröffnet wurde, war gerade der Schlager „Pack die Badehose ein“ der damals Siebenjährigen in aller Munde.
Karen Grunow