Vergoldet
Eine der ergreifendsten Szenen in Fatih Akins Film „Auf der anderen Seite“ war wohl der Moment, als Hanna Schygulla im Istanbuler Hotelzimmer ihrer Tochter versucht, dem ermordeten Mädchen noch einmal nah zu sein. Sie sinkt auf das Bett, in dem noch der Geruch der Tochter hängt. Die Kamera zoomt auf das Gesicht der Mimin, auf dem sich soviel Schmerz, soviel Verlorenheit abspielt, dass einem unwillkürlich der Atem stockt. So wie Fatih Akin die große Fassbinder-Darstellerin für das heutige Kino wiederentdeckt hat, können nun Berlinale-Besucher in das Universum der Hanna Schygulla eintauchen. Denn ihr und dem Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ist die diesjährige Hommage gewidmet, in der eine kleine Auswahl der wichtigsten Filme der beiden erneut zu sehen sein wird.

Kohlhaase, mittlerweile 78, gehört noch immer zu den gefragtesten Drehbuchautoren der deutschen Film- und Fernsehlandschaft, ihm verdankt Andreas Dresen die wunderbaren Dialoge seiner Figuren in „Sommer vorm Balkon“ und „Whisky mit Wodka“. Der Defa-Film „Berlin Ecke Schönhauser“ traf 1957 ein Lebensgefühl, wie man es bis dato nur aus den US-amerikanischen Produktionen wie „Denn sie wissen nicht, as sie tun“ kannte. Heute zählt er zu den 100 besten deutschen Filmen aller Zeiten. Nicht minder revolutionär war „Solo Sunny“ von Regisseur Konrad Wolf, ebenfalls in der Hommage an Kohlhaase zu sehen.
Beiden, Schygulla und Kohlhaase, wird in diesem Jahr ein Goldener Ehrenbär für ihr Lebenswerk verliehen. Am 15.2. ab 18 Uhr wird Kohlhaase im Filmhaus der Deutschen Kinemathek zum Gespräch erwartet, Hanna Schygulla kommt am 17.2. dort hin.
Karen Grunow