Devendra Banhart lehnt sich auf dem Sofa zurück, streckt beide Beine in die Luft und strampelt los, als würde er in Pedale treten. „Das fördert die Durchblutung. Ich muss das machen, hat mein Arzt gesagt.“ Eigentlich soll er hier über sein sechstes Album „What Will We Be“ sprechen. Doch mit den Gedanken scheint der 28-Jährige ganz woanders, oder er will diesen Eindruck erwecken. Wer sich auf ein Gespräch mit Devendra Banhart einlässt, muss alles einkalkulieren.

Das vermittelt einem schon seine Musik. Sie ist genauso kauzig und abgehoben. Auf dem aktuellen Album dominiert Folk, aber auch Blues und Reggae, Jazz und Latino-Einflüsse kommen zum Zuge. Bei einigen Songs lässt sich Banhart, dessen Gesang kräftiger und selbstbewusster geworden ist, nur von Akustikgitarre und Klavier begleiten. Bei anderen tummeln sich Trompete, Sitar, Klarinette und Chöre. Das psychedelische „Rats“ erinnert an The Doors, „16th & Valencia Roxy Music“ ist eine Hommage an Roxy Music.

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Es klingt nach spiritueller Erleuchtung, ein paar Drogen zu viel und einem Hang zum Wahnsinn. Seine frühen Platten waren eher Songcollagen. Nun funktioniert sein Werk als großes Ganzes. Als hätte der gebürtige Amerikaner den Plattenschrank eines Althippies durchgeschüttelt und aus den Vinylscherben etwas Ureigenes geformt. Dass man ihn für einen Freak hält, gefällt Banhart. „Die Wahrheit aber ist, dass ich völlig normal bin. Ich bin so langweilig wie ein Stück Weißbrot“, kokettiert der fusselbärtige Sänger. „Zum Glück ist mein Lebenslauf einigermaßen interessant.“

Er ist benannt nach einer indischen Gottheit, aufgewachsen in Venezuela und ab dem 14. Lebensjahr öfter umgezogen, als die meisten Menschen in Urlaub fahren. „Andere stellen ihre Möbel um, ich ziehe immer gleich woanders hin. Es hilft meiner Kunst, immer wieder Neues zu entdecken“, sagt er und zieht seine zwei unterschiedlichen Socken bis zum Knie hoch.

So entstand auch der Song „Walilamdzi“, dessen Text nicht zu verstehen ist. „Ich singe im Dialekt der Pit-River-Indianer. Einer der ersten Stämme, die ausgelöscht wurden“, flüstert er geheimnisvoll. „Ich habe in einem Buch über sie gelesen, dort standen ungefähr 20 Wörter aus ihrem Dialekt. Aus denen habe ich ein Gedicht gemacht.“ Es hätte uns aber auch nicht gewundert, wenn er sich einfach eine Fantasiesprache ausgedacht hätte.
Nadine Lischick