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Sie haben einen Stuttgart-Tipp, der in unserem Cityguide noch fehlt? Verraten Sie im PRINZ Club Ihre absoluten „Musts“ der Stadt.

Die Slogans, die aus der Schwabenmetropole dringen, waren schon immer vollmundig, und manchmal auch unfreiwillig komisch. Dabei hat „Stuggi“, wie seine entspanntesten Bewohner es nennen, das gar nicht nötig. Es hat, wofür der ratlose Dialektsprecher sich beim Einkaufen im Zweifelsfall immer entscheidet: „Von ällem ebbes“.

Vielleicht hat Stuttgart deshalb beim bundesrepublikanischen Städteranking mit Leichtigkeit den Sprung auf Platz zwei geschafft. Weil es sich bei Daimler, Porsche, Bosch und den ganzen Mittelständlern so gut arbeiten lässt, in und um die Stadt trotz saftiger Mieten angenehm wohnen – und dank Hügeln und Kessellage auch noch häufig mit unerhörten Aussichten und hervorragenden Möglichkeiten fürs Shoppen oder Ausgehen. Wer hier herzieht, zieht gleichzeitig in eine quicklebendige City und eine beschauliche Kleinstadt.

Stuttgart ist so wohlhabend wie sein Ruf, in Stuttgart arbeiten mehr FH- und Uniabsolventen als anderswo, Stuttgart ist mit dem höchsten Ausländeranteil mehr multikulti als irgendeine andere deutsche Stadt. Und: Stuttgart hat zwar keinen einzigen echten Wolkenkratzer, dafür aber den ersten Fernsehturm der Welt. Der steht mit seinen knapp 217 Metern seit 1956 im höher gelegenen Stadtteil Degerloch und bekehrt mit seiner großartigen Aussicht vom Turmkorb selbst eingefleischte Stuttgart-Hasser.
Mindestens genauso wirksam ist ein Trip zum Stuttgarter Hafen (jawohl, den gibt es wirklich!) mit seinen Kanälen und seinem Industriecharme. Und natürlich ein Spaziergang in einem der Parks: In den Schlossgartenanlagen – nicht nur rund um den Hotspot mit den Wasserspielen vorm Neuen Schloss – oder im Rosensteinpark zeigt sich die Stadt nicht nur von ihrer kultiviert nostalgischen Seite, sondern von ihrer grünsten. Ganz groß, und dazu muss man keinesfalls noch Kind sein oder erst Eltern werden, ist ein Ausflug in den innerstädtischen Tierpark, genannt „Die Wilhelma“, wer’s ohne Tier- und Kindergeschrei, eben konzentrierter mag, ist im so skurrilen wie meditativen Chinesischen Garten an der Birkenwaldstraße bestens aufgehoben.

Auch ganz probat, aber vor allem in lauen Sommernächten kein bisschen beschaulich, ist ein Besuch in einer der zig Bars und Clubs entlang der Partymeile Theodor-Heuss-Straße. Der Alt-Bundespräsident hätte angesichts der Stimmung, der Sitz- und Tanzgelegenheiten entlang des nach ihm benannten Boulevards mit Sicherheit erstaunt den Kopf geschüttelt.
Beeindruckend ist mittlerweile auch die rege Live-Clubszene, denn in Schocken, Zwölfzehn oder Keller Klub geben internationale Rock- und Indiebands kleine, feine Konzerte.

Weitere Stuttgart-Tipps gibt’s auf der nächsten Seite.

Die klassischen Kultursparten wohnen überwiegend am „Kulturmeile“ getauften Abschnitt der Konrad-Adenauer-Straße zwischen Staatstheater und Stadtbibliothek. Zum Beispiel die Staatsgalerie: der Stirling-Bau mit seiner Sandsteinfassade und den bunten Röhren ist ein postmoderner Architekturklassiker.

Überhaupt hat Stuttgart eine Menge spannender Architektur zu bieten. Etwa das Kunstmuseum, der auffallende gläserne Würfel am Schlossplatz, in dem die umfangreiche städtische Otto Dix-Sammlung ihren Platz gefunden hat. Oder die Weißenhofsiedlung von 1927, hoch im Norden, ein Ensemble mit zeitlos modernen Wohngebäuden von Mies van der Rohe, Le Corbusier und anderen berühmten Architekten des Neuen Bauens. Und immer wieder entstehen Stadtarchitektur und -kultur aus dem Off – so wie in und um die Wagenhallen am Nordbahnhof.

Denn Kontraste sind typisch für die Stadt, sie machen ihren Reiz aus. So wie die friedliche Koexistenz der nostalgischen, hölzernen Standseilbahn zum Waldfriedhof oder der Jugendstil-Markthalle in der Innenstadt mit dem bereits errichteten Tor zu Stuttgart 21, der Südwest-LB, mit ihren Modular-Büros und ihrer Stahl-Glas-Architektur. Kontrastreich auch der Blick in die Kochtöpfe in der City: Von Schwäbisch-Deftig geht es quer durch alle Länderküchen bis in den Sternenhimmel. Die Dichte besternter oder vielfach bemützter Restaurants ist hoch, vom in Heslach versteckten Restaurant Breitenbach bis zur weiß leuchtenden Wielandshöhe von TV-Koch Vincent Klink.

Und natürlich geht auch beim Shopping einiges. Die Labels Boss und Marc Cain stammen aus der Region, beim „Breuni“, dem Kaufhaus Breuninger, gibt’s alles, vom Grundnahrungsmittel bis zum Luxusgut, sogar die Dessous von „Agent Provocateur“ oder Stilettos von Jimmy Choo. Im Blutsgeschwister-Store wirft man einen Blick auf Design made in Stuttgart, das junge Trendlabel eroberte von hier aus die Modewelt. Die am liebsten ihren eigenen Style kreieren, bummeln samstagmorgens über den Flohmarkt am Karlsplatz – und treffen sich anschließend im Grand Café Planie, im Scholz, im Stella oder einem der anderen Innenstadtcafés mit Freunden auf ein langes Frühstück. So lässig kann Stuttgart sein. Und im Vertrauen: es gibt tatsächlich Mietshäuser in der Stadt, ganz ohne Kehrwoche …
Inge Bäuerle