Im Taxi geht es über eine kurvige Küstenstraße vom Flughafen nach Dubrovnik. Zypressen stechen spitz wie Nadeln aus der Landschaft, viele Häuser sind mit Weinreben bewachsen. Der Fahrer trägt ein enges Rippshirt und spielt in voller Lautstärke die Hits des letzten Sommers: „Only Girl In The World“ von Rihanna pumpt aus den Lautsprechern, während wir auf das mittelalterliche Szenario von Dubrovnik zusteuern. Das Taxi hält vor dem Hotel „Argentina“: ein imposantes Gebäude an der Steilküste mit verschnörkelter Fassade und Blick auf die Stadt. Schnell das Gepäck abgeben, dann geht es zu Fuß weiter.

Der Weg führt am Meer entlang in Richtung Altstadt. Die ist von einer meterdicken Mauer umgeben, davor liegt ein Strand mit türkisblauem Wasser, der so einladend aussieht, dass es unmöglich ist, an ihm vorbeizugehen. Im Sommer pflastern hier am Banje Beach Sonnenliegen den Kies. Jetzt, im Frühling, sitzen nur ein paar Leute an der Bar des East West Beachclub. Während der Sommermonate wird der Strand zu einem der beliebtesten Orte für Dubrovniks Nachtleben. Auf den Außenterrassen durchtanzt dann die Partycrowd unter freiem Himmel und mit Blick auf die erleuchteten Stadtmauern die Nächte. Genauso schön ist es, hier die Füße ins glasklare Meer zu halten und zu beobachten, wie Segelschiffe auf den kleinen Jachthafen von Dubrovnik zusteuern.

Weiter in Richtung Altstadt kommt man an alten Quarantänegebäuden vorbei, in denen früher jeder Besucher Dubrovniks auf seine Gesundheit überprüft wurde, bevor er Einlass in die Stadt erhielt. Heute befindet sich hinter den alten Mauern der Electroclub Lazarti, der stolz von sich behaupten kann, das beste DJ-Booking der Stadt zu haben. 2010 beschallte kein Geringerer als LTJ Bukem aus London die Tanzfläche im Innenhof mit Drum’n’Bass.

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Nur wenige Schritte vom Lazareti entfernt führt eine Hängebrücke in die Altstadt. Paläste mit Arkadengängen, wuchtige Kathedralen und barocke Treppenaufgänge prägen das Bild. Die Flaniermeile Stradun ist mit hellem Marmor gepflastert, die Geschäfte tragen alle einheitlich grüne Fensterläden: Souvenirshops und jede Menge Händler, die Krawatten verkaufen. Die wurden nämlich in Kroatien erfunden, sehen hier aber auch nicht anders aus als überall auf der Welt.

Es lohnt ein Blick in die Seitengassen, etwa in die Streetwear Boutique Sheriff & Cherry, deren Einrichtung alle zwei Monate von Künstlern neu gestaltet wird. Die Adidas-Caps und Nudie-Jeans in den Regalen erinnern daran, dass außerhalb der Stadtmauern das 21. Jahrhundert existiert. Das nämlich könnte man beinahe vergessen, wenn man durch die Altstadt mit ihren perfekt restaurierten alten Fassaden, Klöstern und Springbrunnen läuft. Auch an den Balkankrieg erinnert kaum noch etwas. Nur wer genau hinschaut, entdeckt Spuren: Rote Dreiecke auf dem Stadtplan markieren, wo die Bomben der serbischen Truppen einschlugen. In den Souvenirläden liegen zwischen Trachtenpuppen und Lavendelbeuteln Bildbände mit der Aufschrift „Dubrovnik At War 91-92“. Darin Bilder des brennenden Jachthafens, von Bombenkratern im Marmor und zerstörten Hausdächern.

Heute ist Dubrovnik wieder ganz das Postkartenmotiv, das es vor dem Krieg war. Am besten lässt sich das von der Festungsmauer aus erkennen, auf der man die Stadt fast einmal ganz umrunden kann. Auf der einen Seite sind die roten Dächer der Stadt zu sehen, auf der anderen das endlose Blau des Meeres. Musik dringt aus einer Bar direkt an der Felswand, eine Frau hängt Wäsche auf ihrer Dachterrasse auf.

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Unten in den Gassen drängeln sich die Tagesausflügler von den Kreuzfahrtschiffen. Mit Kameras bewaffnet dringen sie jeden Tag aufs Neue in die Stadt ein. Wer vor ihnen flüchten will, steigt die vielen Treppenstufen der steilen Sträßchen empor oder fährt mit dem Schiff zu der vorgelagerten Insel Lokrum hinüber. 15 Minuten dauert die Überfahrt zu dem unbewohnten Vorposten mit seinen vielen schönen Badestellen. Ausgewilderte Pfauen streunen durchs Gebüsch, Bäume biegen sich über dem Strand zum Meer. Je weiter man ins Innere der Insel vordringt, desto ruhiger wird es. Bald sind keine Stimmen mehr zu hören, nur noch die Pinien rauschen im Wind. Der Wald wird immer dichter, ein Pfad verliert sich im Nichts. Dann tauchen plötzlich die Ruinen eines verlassenen Klosters auf. Die Wände sind mit feuchtem Moos bedeckt, Kakteen wachsen aus Spalten in den Mauern. Unvorstellbar, dass sich nur wenige Minuten von hier entfernt eine Großstadt befindet.

Zurück hinter den Stadtmauern ist es still geworden. Wenn auf den Kreuzfahrtschiffen das Abendessen serviert wird, verwandelt sich Dubrovnik wieder in die „Perle der Adria“, die Lord Byron einst beschrieben hat. In einem Arkadengang spielen Kinder Ball, alte Männer blicken vom Café „Gradskavana“ über das Treiben auf dem Pred-Dvorom-Platz, der wegen der vielen Tauben auch Venedigplatz genannt wird. Jetzt, kurz vor Sonnenuntergang, ist der perfekte Moment für ein Bad im Meer. Der schönste Ort hierfür ist die Bar „Buza 1“, deren Name „Loch in der Wand“ bedeutet. Sie liegt am Fuß der Stadtmauer und erstreckt sich über terrassenförmige Felsen bis zum Meer. Über Badeleitern gelangt man ins Wasser und kann von dort die Stadt aus einer ganz neuen Perspektive betrachten. Noch mächtiger kommen einem die Mauern vor, wenn man vor ihnen im Meer treibt. Klobig, unbezwingbar, eine Stadt wie ein Tresor.

Nach Einbruch der Dunkelheit füllen sich die Bars der Stadt. Das „Troubadour“ ist berühmt für seine Jazzkonzerte, aber leider auch für Touristennepp. Authentischer ist das Künstlercafé „Talir“, in dem die Schwarzweißfotos an den Wänden von ausschweifenden Nächten erzählen. Heute scheint wieder so eine zu sein. Schnapsgläser mit Pelinkovac werden in die Höhe gehoben, einige Gäste tanzen zwischen den Tischen.

Draußen liegt die Stadt still da wie ein Museum unter freiem Himmel. Musik und Stimmengewirr dringen noch aus der „Heminway Bar“. Am Tresen sitzt die 21-jährige Lea und trinkt mit ihren Freundinnen Cocktails. „Dubrovnik mag eine traurige Vergangenheit haben“, sagt sie. „Dafür verstehen wir es heute umso besser, glücklich zu sein.“

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Adressen und Hotel-Tipps auf einen Blick

Essen&Trinken
Gradskavana Café
Die große Terrasse des Cafés ist der schönste Ort, um das Treiben in der Altstadt zu beobachten. Pred Dvorom 1

Gunduliceva Poljana Markt
Kleiner Markt, auf dem Bauern aus der Umgebung hausgemachte Kräuterschnäpse, Honig und Mandarinen verkaufen. Uz Jezuite

Restaurant Proto
Erstklassiges Fischrestaurant nahe der Einkaufsmeile Stradun. Unbedingt das schwarze Tintenfisch-Risotto probieren. Siroka 1

Shopping
Sheriff&Cherry
Urbane Mode in der Altstadt von Dubrovnik. Jordiceva 4

Treasures
Das Geschwisterpaar Marko und Simona Farac entwirft und verkauft Schmuck, der sich an alten Designs orientiert. Calestina Medovica 2

Zlatar Filicic
Seit 1917 existiert der kleine Laden, in dem Goldschmied Zlatar Filicic heute noch per Hand filigrane Kugelanhänger fertigt. Siroka 4

Bars&Clubs
Bar Buza 1
Openair-Bar am Fuße der Stadtmauer mit Blick aufs Meer. Von den Felsen aus kann man im türkisblauen Wasser baden. Eingang über Ilije Sarake

East West Beachclub
Nachtclub und Beachbar am Banje Strand mit einem wunderbaren Blick auf Dubrovniks Altstadt. ew-dubrovnik.com

Hemingway Bar
Die beste Adresse für Cocktails im alten Stadtzentrum liegt in der Nähe des Rektorenpalastes. Pred Dvorom

Lazareti
Nachtclub in einem alten Quarantänegebäude am Meer. Bis zu 500 Leute haben auf der Tanzfläche im Innenhof Platz. Sehr gutes DJ-Booking. Banje Beach, lazareti.du-hr.net

Talir
Künstlerkneipe in der Altstadt, in der sich Schauspieler und Schriftsteller treffen und gemeinsam Pelinkovac trinken. Antuninska 5

Troubadour
Jazzbar, die im Sommer kostenlose Konzerte auf der Terrasse veranstaltet. Besitzer Marko trat 1968 beim Eurovision Song Contest an. Buniceva Poljana 2

Unterkünfte
Hotel Adriatic
Bei jungen Urlaubern beliebtes 2-Sterne-Hotel in der Nähe des Lapad Strandes. DZ ab 55 Euro, Masarykov Put 9, hotelimaestral.com

Hotel Argentina
Hotel mit wunderbarem Meerblick und großem Pool direkt am Wasser. DZ ab 100 Euro, Frana Supila 14, gva.hr

Hotel Stari Grad
Kleines Hotel in der Altstadt mit schöner Dachterrasse. DZ ab 140 Euro, Od Sigurate 4, hotelstarigrad.com