PRINZ: „Grinderman 2“ klingt, als hätten Sie bei der Arbeit daran viel Spaß gehabt.
Nick Cave: Ich? Spaß? Hören Sie mal, ich bin Nick Cave. Ich bin seit mehr als 30 Jahren mies drauf.

Überrascht es Sie, wenn ich sage, dass ich an manchen Stellen des Albums sehr lachen musste?
Im Ernst: Nein, warum? In allem, was ich tue, schwingt immer auch Humor mit. Allerdings ist „Grinderman 2“ insgesamt ernster als das erste Album. Dort gab es immerhin „No Pussy Blues“ und solchen Kram.

Im Song „Kitchenette“ bezeichnen Sie die Kinder, die Ihre Angebetete mit einem anderen Mann hat, als „Vollidioten mit schiefen Zähnen“. Das ist schon lustig-böse.

Bei Grinderman leiste ich mir sicher mehr Späße als bei den Bad Seeds, das stimmt schon. Dort geht alles sehr strukturiert vor sich, und wir erlauben uns nicht, Witze zu machen oder solchen Stoner-Blues zu spielen wie bei „Kitchenette“.

Woran liegt das?
Die Bad Seeds gibt es seit Ewigkeiten, die haben eine lange Entwicklung hinter sich und dadurch eine Identität als Band. Da machst du nicht plötzlich etwas ganz anderes. Außerdem ist es dort so: Ich bin Nick Cave, und das ist meine Band. Bei Grinderman bin ich nur einer von mehreren. Die haben da alle ein Wörtchen mitzureden, allen voran Warren.

Sie haben den Multi-Instrumentalisten Warren Ellis vor 15 Jahren kennen gelernt und machen seitdem kaum noch etwas ohne ihn. Was ist dran an dem Mann?
Er ist vollkommen irre. Alles, was er spielt, spielt er, als würde er mit den Fingerspitzen über dem Abgrund hängen. Ich liebe ihn. Ohne diesen Wahnsinnigen wäre die Dynamik dieser Band nie denkbar gewesen.

Wozu braucht jemand wie Sie noch eine weitere Band? Sie haben die Bad Seeds, machen Filmmusik, schreiben Bücher. Reicht das nicht?
Es ist so: Ich gehe einer Arbeit nach. Ich stehe morgens auf und gehe ins Büro. Dort muss ich schließlich etwas zu tun haben, jeden Tag. Die meisten Leute sehen in mir immer noch diesen selbstzerstörerischen Typen, der ich früher einmal war. Ganz ehrlich: Ich arbeite dermaßen strukturiert, dass ich mich selbst wundere. Ich komme in der Regel sehr gut voran mit dem, was ich tue. Dabei kann es schon passieren, dass ich plötzlich alles erledigt und nichts mehr zu tun habe. Und dann bin ich sehr froh, dass da Grinderman ist.

Zur Person:
Nick Cave, 53, vor langer Zeit drogenabhängiger Barde der Finsternis, gehört heute zu den produktivsten Künstlern überhaupt: Er hat zwei Bands, ist gefragter Komponist für Filmmusik (unter anderem „The Road“, siehe Seite 74) und erfolgreicher Buchautor. Jede Wette, dass er bald auch noch eine Professur angeboten bekommt.