Geschmeidig wie eine Katze, die sich des allzu lästigen Winterfells entledigt hat, kommt Robyn daher. Sobald der erste Beat wummert und sie ihre hypnotische Mischung aus Rap und Gesang darüberlegt, lässt sie den Hörer nicht mehr los und seine Beine nicht mehr still stehen. Bereits der Opener „Don’t Fucking Tell Me What To Do“ macht klar, dass sie das Tempo im Vergleich zu ihren Vorgängeralben noch einmal angezogen hat. Aber trotz deftigen Clubsounds ist der Song nicht platt. Er klingt eher wie der elektronisch vertonte Tagebucheintrag eines überforderten Mädchens, das sich trotzig gegen die Reizüberflutung der Mediengesellschaft stemmt. Gleich darauf zeigt Robyn in „Fembot“ das Dilemma einer modernen Frau auf, die ohne Selbstaufgabe in der patriarchalen Welt bestehen muss. Das ist so reflektiert wie tanzbar, ein gekonnter Spagat.

Video-Tipp: „Dancing On My Own“ von Robyn

Bei Robyns Musik schmeißt man nicht die Arme in die Höhe. Bei ihren Beats verliert man sich irgendwo zwischen den Welten. „Clubs sind der Mikrokosmos, in dem die Interessen unserer Generation verhandelt werden“, philosophiert die 31-Jährige. Und dieser Überzeugung ist es auch geschuldet, dass zahlreiche ihrer neuen Songs das Nachtleben thematisieren. „Dancing On My Own“ und „Dancehall Queen“ finden auf der Tanzfläche statt, schildern aber die unterschiedlichsten Themen zwischen Liebesdrama und Partyhedonismus. Mit „Hang With Me (Acoustic)“ und „Cry When You Get Older“ liefert die platinblonde Schwedin auch noch zwei ruhige Stücke voller Kummer – aber mit einem flauschigen Taschentuch in der Punchline.

Nach der Gründung ihres Labels Konichiwa Records vor zwei Jahren hat sich Robyn für ihr neues Werk erstmals die Freiheit genommen, eine Trilogie aus drei dicht aufeinanderfolgenden Minialben der korsettartigen Produktion eines ganzen Albums vorzuziehen. Sie nimmt einfach so lange auf, bis ihr die Ideen ausgehen, und begibt sich unmittelbar danach auf Clubtour. „Es entspricht den Prinzipien der modernen Kommunikationsgesellschaft“, so das Konzept der Schwedin. Sobald die Muse sie packt, macht sie sich an die Fortsetzung – ohne Dramaturgie, gesteuert allein durch den künstlerischen Trieb. So entstanden die acht Songs auf „Body Talk Pt. 1“ aus dem Bauch – sie sagen langwieriger Kopfarbeit den Kampf an.Es scheint, Robyn habe sich eine Hintertür in ihr Studio gebaut, die direkt in die Clubs der Welt führt. Und während ihre Beats noch durch die Nacht schwirren, tanzt ihr Gefolge dazu einen Walzer auf dem Grab des trashigen Eurodance. Und Königin Robyn? Die arbeitet derweil schon am Nachfolger: „Body Talk Pt. 2“
Tim Pommerenke