Als Kate Nash auf ihrer Tour vor zwei Jahren in Hamburg spielte, bellte sie dem Publikum zum Abschluss des Konzerts einen rechtschaffend lauten Punkrock-Song namens „Model Behaviour“ entgegen, dessen zentrale Textzeile „You don’t have to suck dick to succeed“ sie mit wachsender Begeisterung wiederholte. Sie führte sich auf, wie man es üblicherweise nur sehr betrunken und unter sehr guten Freunden tut. Das Publikum reagierte überrascht, aber sehr amüsiert. Da sprang eine leicht durchgeknallte junge Frau herum, die so gar nicht der entsprach, die man von ihrem Debütalbum „Made Of Bricks“ zu kennen glaubte. Kate Nash schien noch ein paar andere Schnitzel in der Pfanne zu haben – stärker gewürzte.

Video-Tipp: „Doo Wah Doo“ von Kate Nash

Hat sie tatsächlich. Mit dem eher reduzierten Sound des platinveredelten Vorgängers hat Nashs neues Album nicht mehr viel gemein, wenn auch die hibbelig-charmante Pianopop-Nummer „Paris“ zu Beginn den Eindruck noch erwecken könnte. „Ich hatte wahnsinnig viel Glück, dass mein erstes Album so erfolgreich war und ich ein zweites machen konnte“, sagt die 22-Jährige. „Da hätte ich es billig gefunden, noch mal das Gleiche aufzutischen. Und ich hatte dieses Mal andere Möglichkeiten. Wenn du einmal Erfolg hattest, quatschen dir prompt nicht mehr so viele Leute rein.“ Nur Ex-Suede-Gitarrist Bernard Butler durfte reinquatschen, so viel er wollte. Er brachte als Produzent schon Duffy auf Kurs und zeigte dabei, dass er den Stil eines Musikers behutsam zur Geltung bringen kann, statt jedem den eigenen Stempel aufzudrücken. So ist „My Best Friend Is You“ vor allem eines: mehr. Mehr musikalische Vielfalt. Mehr Instrumente. Mehr „explicit lyrics“. Mehr Kate Nash.

Das Album pendelt zwischen zwei Extremen: Die drollig-tanzbare Single „Do-Wah-Doo“ beerbt ganz legitim eine Reihe von Girl-Groups von den Supremes bis zu den Pipettes und stellt mit ihrer lustigen Boshaftigkeit das eine Ende der Skala dar. Am anderen steht das hypnotisch-laute und reichlich sperrige „I Just Love You More“ mit komischen Feedbacks und sich immer weiter steigerndem Gekeife. Zwischen diesen beiden Polen ist eine Menge Platz für süße Balladen („I Hate Seagulls“), flotten Punkpop („Take Me To A Higher Plane“) und allerlei andere musikalische Launen, die Nash auf „My Best Friend Is You“ endlich auslebt. Ihr Zweitwerk ist ein Mordsspaß von einem Album, verspielt, bunt, sympathisch, eigenwillig. Das muntere stilistische Tohuwabohu wird Kate Nash von manch grimmigem Kritiker den Vorwurf einbringen, sie wisse überhaupt nicht, was sie wolle. Dabei weiß sie das sehr wohl: alles.
Christian Zeiser