Ein Musiker ist bekanntlich mit seinem Instrument verheiratet. Besonders wenn beide es zusammen so weit gebracht haben wie Kele Okereke und seine Gitarre. Eine Vorzeigeehe, die maßgeblich für den Erfolg seiner Indierockband Bloc Party verantwortlich ist. Nun betrügt Kele seine geliebte Gitarre mit Synthesizern und Drum-Computern. „Die Gitarre hätte mich auf musikalische Pfade gebracht, die ich bereits beschritten habe. Ich hätte sie als beschneidend empfunden“, so der Brite. In New York arbeitete der 28-Jährige mit dem Produzenten und Spank-Rock-Mitglied XXXChange zusammen. Das Ergebnis, „The Boxer“, ist ein Dancealbum. Nichts soll an Bloc Party erinnern – und tut es doch.

Video-Tipp: „Tenderoni“ von Kele

Bereits zwei Alben der englischen Band wurden von namhaften DJs und Produzenten durch den Wolf gedreht, um als elektronische Club-Remixe auf der Tanzfläche bejubelt zu werden. Die erste Solo-Single „Tenderoni“ knüpft daran an, mit pumpenden Beats, die selbst auf Ibiza Hände in die Luft treiben könnten. Die meisten Lieder aber verlieren sich in sperrigen Details oder erinnern wie „On The Lam“ eher an Rave-Songs, die schon auf der Loveparade 1998 liefen.

Lediglich bei „Everything You Wanted“ und „Unholy Thoughts“ blitzen die Qualitäten auf, die Bloc Party so raketenhaft nach vorne katapultierten. Diese verführerische Mischung aus Schwermut, Wärme und Hoffnung. Am Ende bleibt das Problem der meisten Seitensprünge: Es fehlt das Gefühl – oder es wirkt fehl am Platze.
Tim Pommerenke