Coco Sumner spricht wie ein Mädchen, das einen Jungen imitiert. Brummig und kurz angebunden. Ihre überraschend fettigen Locken hängen auf ihre Schultern herunter, unter den Nägeln, auf denen die 20-Jährige hin und wieder verstohlen herumkaut, hat sich etwas Dreck gesammelt. Gar nicht ladylike. Als hätte sie morgens vor dem Spiegel entschieden, wie Kurt Cobain aussehen zu wollen. Dabei verkehrt ihre Mutter, Schauspielerin und Filmproduzentin Trudie Styler, in den höchsten englischen Society-Kreisen. Und ihr Vater, Gordon Sumner, ist nicht nur Multimillionär, sondern auch ein von der Queen gekürter Commander Of The British Empire. Besser bekannt als Sting. Eine Bürde, die Eliot Paulina Sumner, Spitzname Coco, Künstlername I Blame Coco, zunehmend selbstbewusster mit sich rumschleppt.

Video-Tipp: „“Selfmachine“ von I Blame Coco

In einem ihrer ersten Songs, der nicht auf ihrem nun erscheinenden Debütalbum „The Constant“ gelandet ist, sang sie noch trotzig: „Forget my dad, you need to hear my band.“ Inzwischen lässt sie das Interesse an ihrer prominenten Herkunft höflich über sich ergehen. Und siehe da, das hat sie von ihrem Vater gelernt. „Der einzige Rat, den mir mein Dad mit auf den Weg gegeben hat: Sei nett. Sei pünktlich. Bau keine Scheiße.“ Hat sie nicht.

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Bei den Albumaufnahmen in Stockholm ließ sie sich vom schwedischen Powerpop einer Robyn inspirieren, dem bestimmenden Sound der Platte, zugespitzt in Synthesizer getriebenen Songs wie „Caesar“, „In Spirit Golden“ und „Self Machine“. Mit „Quicker“ wagt sie sich aufs Disco-Parkett, bei „No Smile“ oder „Only Love Can Break Your Heart“ scheut sie sich auch nicht davor, mit Reggae und Ska zu hantieren – Stilrichtungen, die auch die Band ihres Vaters, The Police, maßgeblich beeinflussten. Das Gesamtergebnis: Musik, die nicht auf die Massen gemünzt und doch erstaunlich eingängig ist für einen ungestümen Kauz wie Coco.

Mit vier bekam sie ihre erste Gitarre, mit zehn Jahren habe sie eine Band namens Cunt (zu Deutsch: Fotze) gegründet. „Ich brachte mich nicht ein bei gesellschaftlichen Ereignissen, wollte einfach nicht mit Leuten reden“, sagt sie. „Ich fand einfach niemanden, der interessant genug war. Das hat nichts mit Arroganz zu tun. Alles, was mich interessierte, war Musik. Schon immer.“ Mit 14, als sie von der Dorfschule im kleinen Salisbury auf ein Londoner Internat wechselte und sich mit Menschen umgab, die ebenfalls in Bands spielten, habe sie ihre ersten Freunde gefunden. Im letzten Schuljahr brach sie ab. Lernen fiel der Legasthenikerin ohnehin schwer. Seitdem hat sie die Segel endgültig Richtung Musikkarriere gesetzt. „Meine Eltern haben mir vertraut. Sie sagten: ,Solange du hart arbeitest, kannst du machen, was immer du möchtest.‘“ Macht sie nun. Um schon bald nicht mehr als talentierte Tochter, sondern als Musikerin akzeptiert zu werden.

Sascha König