Wie konnte das passieren? Hunderttausende Menschen feierten auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs in Duisburg bei der 18. Loveparade, die unter dem Motto „The Art of Love“ stand. Das 230.000 Quadratmeter große Bahnareal schien jedoch zu klein zu sein für die Massen an Ravern, die sich wegen des guten Wetters und des hochkarätigen DJ-Line-Ups auf den Weg zum Festgelände gemacht hatten. Der Ein- und Ausgang zum Gelände – eine ca. 20m breite Bahnunterführung – wurde zum gefährlichen Nadelöhr, in dem die ankommenden Menschenmassen auf die Partybesucher trafen, die bereits wieder gehen wollten.

Die Polizei hatte den Zugang zum Gelände bereits am frühen Nachmittag gesperrt, um das für 250.000 Personen ausgelegte umzäunte Gebiet nicht zu überfüllen. Da es keine Ausweichmöglichkeit aus dem engen Gedränge gab, versuchten viele Loveparade-Besucher sich über Gitter und eine anliegende Treppe aus dem Tunnel zu retten, in dem die Menschen nach Augenzeugenaussagen „kaum Luft zum Atmen hatten“. 21 Menschen starben in Folge der Panik, die sich innerhalb des Tunnels aufgrund der extremen Überfüllung und Enge entwickelte. Hunderte Menschen mussten nach dem Unfall in Krankenhäusern behandelt werden.

Die Besucher auf dem Gelände bekamen von der Katastrophe nichts mit. Die Handynetze waren überlastet. Die Feier ging weiter, die DJs legten weiter auf. Gegen 23 Uhr wurde die Loveparade von den Veranstaltern abgebrochen.

Prominente zeigten sich bestürzt. Star-Comedian Oliver Pocher, der mit seiner Freundin Sandy Meyer-Wölden die offizielle Sendung zur Loveparade moderierte, teilte seine Trauer über die Ereignisse auf seiner Facebookseite mit: „Mein herzliches Beileid gilt allen Angehörigen der Opfer des tragischen Ereignisses heute auf der Loveparade 2010 in Duisburg. Dass ein eigentlich so friedliches Fest so tragisch endet, macht mich sehr betroffen.“

Die Verantwortlichen der Loveparade stellten sich am Sonntag in einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten. Loveparade-Organisator Rainer Schaller beteuerte, dass der gesamte Weg vom Bahnhof zum Festgelände genehmigt und abgesprochen gewesen sei. Den Vorwurf, dass bereits im Vorfeld von Seiten der Polizeigewerkschaft Bedenken zur Sicherheit einer derartigen Massenveranstaltung geäußert, aber missachtet worden seien (siehe „Der Westen“) wiesen er und auch der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, zurück. Die im Konzept vorgesehene „Entzerrung der Massen“ innerhalb der Stadt habe nicht funktioniert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Website der Loveparade ist nicht mehr erreichbar.

Eines stellte Organisator Schaller klar: Im Gedenken an die Opfer und in tiefer Anteilnahme habe man sich dazu entschieden, dass es die Loveparade künftig nicht mehr geben wird. Die 1989 von Dr. Motte ins Leben gerufene Technoveranstaltung, die in der Vergangenheit stets friedlich und ohne große Zwischenfälle ablief, nimmt damit ein trauriges Ende.
Anja Greszik