JURY:

Popstars: Dem nimmermüden, mittlerweile jedoch beachtlich erschlankten Kandidaten-Schleifer Detlef D! Soost stehen in der neunten Staffel zwei neue Juroren zur Seite. Zum einen gibt die lebendige Studiodeko aus „Die ultimative Chartshow“ auf RTL, Thomas M. Stein, sein Castingshow-Comeback. Stein war bereits in den ersten beiden Staffeln von „Deutschland sucht den Superstar“ zugegen – fiel dann aber, wie so viele nach ihm, dem dortigen Alleinherrscher Dieter Bohlen zum Opfer. Die Frau im Bunde ist diesmal Marta Jandová. Die Sängerin der Band Die Happy und Ex-Freundin des sympathischen Schmusebarden Sasha beweist auch neuerdings in der ZDFneo-Sendung „neoMusic“, trotz einer ordentlichen Portion Charme, dass sie definitiv nicht das Zeug zur Moderatorin hat. Jandová stottert sich derart holprig durch die 60 Minuten, dass man sich als Zuschauer oft vorkommt wie auf einer afghanischen Schotterpiste.

X Factor: Aushängeschild der Jurorenriege ist Pop-Starlet Sarah Connor, die zuletzt vornehmlich durch ihre Scheidung von Pseudo-Rocker Marc Terenzi und heimliches Herumknutschen mit Fußballdiva Diego in den Schlagzeilen der hiesigen Klatschblätter stand. Ihre Mitstreiter: Trompeter-Darling Till Brönner, der 2009 nicht nur den „Wein-Oscar“ der Zeitschrift Wein Gourmet einheimste, sondern in seiner Jugend auch mit Stefan Raab in einer Band spielte. Außerdem: Produzent George Glueck, der seine besten Jahre in den 80ern hatte und auf dessen Label X-cell Records neben Sarah Connor auch deren Schwester Lulu Lewe und Ex-Ehemann Marc Terenzi unter Vertrag stehen.

Die Happy mit Frontfrau Marta Jandová und ihrem bekanntesten Song „Supersonic Speed“

KONZEPT:

Popstars: Unter dem Motto „Girls Forever“ wird bereits zum vierten Mal eine Girlgroup gesucht. Nach dem Casting entscheidet der Talentcheck, wer am Workshop teilnehmen darf. Anschließend können die Zuschauer erstmals in vier großen Liveshows die erfolgreichen Absolventinnen zur Siegerband wählen. Zudem gibt es auch diesmal wieder das Patenkonzept, bei dem jede Woche prominente Künstlerinnen wie Aura Dione, Gabriella Cilmi, Marit Larsen und die drei Mädels von Monrose die Kandidatinnen beim Üben unterstützen.

X Factor: Nach dem Casting werden die Kandidaten in die Kategorien „16- bis 24-Jährige“, „über 25-Jährige“ und „Gruppen/Duette“ eingeteilt. Im Bootcamp übernimmt jeder Juror eine Kategorie als „Mentor“ und betreut sie bei besonderen Herausforderungen und Gesangsaufgaben. Fortan greifen auch prominente Berater wie Kelly Rowland, Mousse T. und Larsito von Culcha Candela ins Geschehen ein. Insgesamt sechs Talente/Acts schaffen den Einzug in die Jury-Häuser. Dort wartet der entscheidende Auftritt auf die Kandidaten, der wiederum drei von ihnen in die Live-Shows befördert. Hier wählen die Zuschauer per Telefon-Voting letztlich den Sieger.

Die Gewinner der fünften Staffel „Popstars“: Monrose mit ihrer Debüt-Single „Shame“ – zugleich ihr größter Hit

Lesen Sie auf der nächsten Seite die größten Gewinner und das abschließende Fazit.

GRÖßTE GEWINNER:

Popstars: Die aus der ersten Staffel hervorgegangenen No Angels sind, unterbrochen von einer vorübergehenden Trennungspause, bis heute erfolgreich in den Charts unterwegs und gelten als DIE Castingband schlechthin. Gründungsmitglied Vanessa Petruo entschied sich 2007 gegen das Comeback der Band und versucht sich seither recht erfolglos als Solokünstlerin. Mandy, Senna und Bahar von Monrose, dem Siegertrio der fünften Staffel, hingegen erfreuen sich nach wie vor einer großen Aufmerksamkeit seitens der Fans und Medien. Allein ProSieben verwurstet die drei Mädels in nahezu jeder selbstproduzierten Show.

X Factor: Da die Show bisher nicht in Deutschland lief, gibt es logischerweise auch noch keinen deutschen Gewinner. Ende 2006 gewann jedoch Leona Lewis die dritte Staffel der britischen Version. Auch hierzulande schaffte es Lewis mit ihrem schmachtvollen R&B-Pop in die Charts. Ihre Single „Bleeding Love“ erreichte gar Platz eins in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA! Nicht ganz so bekannt sind Alexandra Burke (Gewinnerin der fünften Staffel, „Bad Boys“ feat. Flo Rida) und Shayne Ward (Gewinner der zweiten Staffel), der in erster Linie im UK einige Charterfolge einfahren konnte.

Leona Lewis gewann die dritte Staffel „X Factor“ in Großbritannien und landete anschließend mit „Bleeding Love“ einen Welthit

FAZIT: „Popstars“ ist mittlerweile zur belanglosesten Castingshow im deutschen Fernsehen verkommen. Oder erinnert sich noch jemand an Some & Any, dem mittlerweile aufgelösten Siegerduo der letzten Staffel? Prominente Paten und mehr Telefonvoting helfen da auch nicht weiter, zumal in dieser Staffel die langweiligste Jury aller Zeiten das Urteil fällt. Wie es sich mit „X Factor“ verhält, bleibt abzuwarten. Die durchweg recht unsympathische Jury (allen voran Sarah Connor) dämpft im Vorwege schon mal ein wenig die Vorfreude. Interessant bleibt dennoch die Sache mit dem Duell der Juroren, die als Mentoren je eine Kategorie Kandidaten übernehmen. Daraus könnten sich peinlich-amüsante Zickereien entwickeln. Warten wir’s ab.

Text: André Depcke